09.11.2021
#FRAUEN, Geschichte der Soziokultur, Landesverbände, Zeitschrift SOZIOkultur

Von Anfang an dabei – Frauen in der Soziokultur

Frauen waren in der Soziokultur von Beginn an tatkräftig beim Aufbau von Einrichtungen wie auch bei der Entwicklung von Landesstrukturen dabei – auch in verantwortlichen Positionen. Davon zeugen die Ergebnisse unserer Recherche bei den Landesgeschäftsstellen zur Situation der Frauen seit der Gründung der Landesverbände bis heute. Es ergab sich ein interessantes Bild.

In ähnlicher Weise, wie sich seit Jahren in der regelmäßig erhobenen Statistik des Bundesverbandes ein ausgewogenes Bild der Beschäftigung von Frauen auch in Entscheidungsfunktionen präsentiert, hat – nach den erhaltenen Rechercheergebnissen – die Entwicklung der Landesverbände stattgefunden. So wurde ein Landesverband – Mecklenburg-Vorpommern– Anfang der 90er Jahre von Frauen angestoßen und aufgebaut und bis heute besetzen Frauen dort in der Überzahl wichtige Positionen. Komplett anders stellt sich die Situation in Thüringen dar. Dort vergrößerte sich sowohl auf Landes- wie auf Zentrenebene der Frauenanteil in den vergangenen Jahrzehnten allmählich. In Hamburg, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein waren Frauen aktiv in verantwortlichen Positionen bereits an der Verbandsgründung beteiligt und im Vorstand oft in der Überzahl. Auch andere Landesverbände, zum Beispiel Niedersachsen, hatten die gleichberechtigte Besetzung von wichtigen Positionen von Beginn an deutlich im Fokus.

Frauenförderung in der Soziokultur

Nordrhein-Westfalen startete sogar ein Unterstützungsprogramm – einen Frauenförderplan, der von der Mitgliederversammlung der Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen (LAG NRW) als verbindliche Grundlage für alle Mitgliedszentren verabschiedet wurde. Dieser Frauenförderplan entstand als Reaktion auf die Ergebnisse der ersten bundesweiten empirischen Erhebung, die in Kooperation mit dem Bundesverband 1992 erarbeitet wurde. Darin wurden detailliert Arbeitsfelder, die Ausprägung von Beschäftigungsverhältnissen und die Präsenz von Frauen in Entscheidungsfunktionen in soziokulturellen Zentren erfragt. Auf Basis der Auswertung der Umfrage führte die LAG NRW in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband 1995 in Essen eine „Frauenkulturbörse“ durch. Ab 1996 praktiziert sie mit dem „Auftrittsnetzwerk Frauenkultur“ eine direkte Künstlerinnenförderung in Nordrhein-Westfalen. Das 1991 eingerichtete, als eingetragener Verein aktive und vom Land finanzierte Frauenkulturbüro NRW e.V. widmet sich seit nunmehr 30 Jahren der Frauenförderung. In ähnlicher Mission unterwegs ist das seit 2004 laufende Mentoringprojekt der LAG Soziokultur und Kulturpädgogik in Rheinland Pfalz – hier vor allem für bildende Künstlerinnen.

Seit den 1970ern in entscheidenen Positionen

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass in der Soziokultur – im Gegensatz zu anderen Kulturbereichen – Frauen auf kommunaler und Landesebene in vielen Bundesländern von Beginn an in wichtigen Entscheidungsfunktionen dabei waren. In den letzten Jahrzehnten haben sie auch auf Bundesebene mehr Mitbestimmung erreicht. Seit mehr als 20 Jahren sind Frauen als Geschäftsführerinnen des Bundesverbandes Soziokultur tätig, seit mehr als zehn Jahren bringen sie sich verstärkt im Vorstand ein und wirken gleichberechtigt auf Bundesebene mit. Dies ist nur folgerichtig, wurden doch zahlreiche soziokulturelle Einrichtungen bereits seit Ende der 1970er Jahre von und mit feministischen Initiativen gegründet. In vielen Zentren gab es von Beginn an spezielle Angebote für Frauen und Mädchen. Vielfach gibt es diese bis heute – erweitert auch für Frauen mit anderen kulturellen Hintergründen und Fluchterfahrungen. Gerade vor diesem Hintergrund ist das heute genauso wichtig wie in den Gründungsjahren der Soziokultur.

Die ganze Ausgabe der Zeitschrift SOZIOkultur zum Thema FRAUEN finden Sie hier.


 

Kristine Schütt
Musikerin und Musikpädagogin

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