In zwei Wochen, am Sonntag, den 14. März 2021, finden in Rheinland-Pfalz Landtagswahlen statt. Wie sind die Positionen der Parteien zur Soziokultur? Wir haben nachgefragt: Welche Rolle spielt die Soziokultur in Ihren politischen Planungen?

GIORGINA KAZUNGU-­HASS, MdL (SPD)

Kulturpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz
Für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ist die Soziokultur ein zentrales Handlungsfeld unserer Kulturpolitik. Wir wollen Kultur so fördern, dass sie breit in die Fläche wirkt und alle gesellschaftlichen Gruppen partizipieren lässt. In den vergangenen fünf Jahren haben wir deswegen die Mittel im Bereich der Soziokultur deutlich erhöht. Als neues Instrument der Kulturförderung wollen wir in der kommenden Legislaturperiode einen landesweiten Kulturentwicklungsplan erarbeiten. Dabei kommt der koordinierenden Kraft der Akteure der Soziokultur eine wichtige Aufgabe zu. Als nicht kommerzialisierte „Dritte Orte“ dienen soziokulturelle Zentren der Entfaltung des Einzelnen und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. In ihrer Vielfalt wollen wir sie weiter unterstützen und fördern.

MARION SCHNEID, MdL (CDU)

Kulturpolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz
Neben den klassischen Kulturbereichen leistet die Soziokultur einen wertvollen Beitrag zur Vielfalt des kulturellen Angebots in unserem Land, vor allem auch im Hinblick auf Kinder und Jugendliche wie auch im interkulturellen Bereich. So sind zum Beispiel Jugendkunstschulen ein idealer Ort, um Heranwachsende in ihrer Kreativität durch künstlerisch-gestaltende Angebote zu fördern. Auch wird die Aufgabe der Kulturbüros, Kulturschaffende zu unterstützen und zu vernetzen, gerade jetzt noch notwendiger. Uns ist es wichtig, die kulturelle Vielfalt und den Zugang zu Kultur auch für die Zukunft zu sichern und Kulturförderung einen verpflichtenden Charakter zu geben. Daher werden wir uns für ein Kulturfördergesetz einsetzen, das die Wertschätzung aller Kulturbereiche umfasst und eine planbare, finanzielle Förderung aller Sparten sicherstellt.

THOMAS ROTH, MdL (FDP)

Kulturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion Rheinland-Pfalz
Die Vielfalt an unterschiedlichen Lebensentwürfen ist der Kern unserer liberalen Gesellschaft und die entscheidende Antriebskraft für Innovation und Weiterentwicklung – unabhängig, ob durch Arbeit, Kunst oder eben Kultur. Kultur ist die soziale Basis unserer Gesellschaft und muss – unabhängig, ob Stadt oder Land – zugänglich sein. Die Corona-Pandemie hat diesen Auftrag noch verschärft. Wir werden uns daher für eine Enquete-Kommission „Kultur“ einsetzen. Zusammen mit den Kulturschaffenden wollen wir Kulturangebote sichern und weiterentwickeln. Hierfür müssen wir Freiräume schaffen, sie fördern und unterstützen. Finanzielle Unterstützungen in und nach der Corona-Pandemie sind für den Erhalt von flächendeckenden Angebote entscheidend. Dafür werden wir uns einsetzen.

KATHARINA BINZ, MdL (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Sprecherin für Integrations- und Asylpolitik, Hochschule, Wissenschaft, Forschung, Weiterbildung und Kultur, Verbraucherschutz, Gesundheit, Pflege und Drogenpolitik
Für uns GRÜNE ist Kultur absolut unverzichtbar für ein gutes Leben. Wir wollen deshalb sicherstellen, dass die Bedingungen für Künstler*innen und Kulturschaffende in unserem Land geeignet sind, sich mit voller Energie der Kunst zu widmen. In der kommenden Legislatur möchten wir eine Kultur-Enquetekommission einsetzen, mit dem Ziel, die Kulturförderung auf neue Füße zu stellen. Wir wollen mit den Kreativen über Fragen der Kulturförderung, aber auch über Entwicklungsmöglichkeiten der kulturellen Landschaft ins Gespräch kommen, um die Bedingungen für Kultur grundlegend zu verbessern. Die soziokulturellen Zentren nehmen wir dabei besonders in den Blick, da sie in einem Bundesland wie Rheinland-Pfalz oft die erste und manchmal die einzige Möglichkeit sind, Kultur mit allen Sinnen zu erleben.

Der Artikel erschien in der Zeitschrift SOZIOkultur zur Thema HÄUSER. Hier die Ausgabe zum Download.

Häuser, in denen man sich treffen, lachen, tanzen, Kunst erleben und kreativ sein kann, sind gerade jetzt im Lockdown Sehnsuchtsorte. Ihnen, der bewährten Basis und Hülle soziokultureller Arbeit, widmet sich die aktuelle Ausgabe der SOZIOkultur.

Dass die Orte der Soziokultur Knotenpunkte in kommunalen Netzwerken bilden, umreißt Georg Halupczok. Als sogenannte Dritte Orte und „Facility Manager der zivilgesellschaftlichen Debatte“ sind sie für das Klima der Demokratie wichtig – gerade auch in der Pandemie. Christine Steiner und Thomas Putz beschreiben die unterschiedliche Entstehungsgeschichte der Häuser in Ost und West und zeigen, wie sie sich in der Arbeit der Landesverbände in Baden-Württemberg und Thüringen niederschlägt.

Orte kultureller Selbstbestimmung

Viele soziokulturelle Zentren sind in Gebäuden beheimatet, die nicht für kulturelle Zwecke erbaut wurden: in Fabriken und Speichern, E-Werken und Schlachthöfen, Kirchen und Profanbauten. Ihrer Funktion enthoben werden sie – erträumt, erstritten und mit großem Engagement erarbeitet – zu Orten kultureller Selbstbestimmung. Ob in Trägerschaft der Kommune, als Vorhaben eines Vereins oder als private Initiative, immer wirken dabei Teams zusammen: Künstler*innen und Bauleute, Profis und Ehrenamtler*innen schaffen authentische Orte mit hohem Identifikationspotenzial.

So lenken Britta Velhagen und Team mit dem Tollhaus einen „Tanker“ in Karlsruhe und haben bei laufendem Veranstaltungsbetrieb über Jahre komplexe Bauvorhaben geschultert. Auch in Offenbach und Saarburg, Strodehne und Greifswald, Hamburg, Göppingen und unzähligen anderen Orten sind soziokulturelle Hotspots entstanden, die tagein, tagaus unterhalten und bewirtschaftet werden. Einmal mehr wird klar, dass die Aktiven Allrounder sind und sich mit großer Verantwortung in ihren Häusern auch den Herausforderungen der Architektur und Denkmalpflege, Instandsetzung und Modernisierung, Technik und Sicherheit stellen.

Die Gemeinde Schüttorf nutzt die Energie und Kompetenz der Soziokultur für die Gestaltung kommunaler Prozesse. Sie will ein Sanierungsgebiet entwickeln und zeigt mit dem Neubau eines soziokulturellen Zentrums, wie dieses als Impulsgeber wirken kann.

Förderprogramme des Bundesverbands

Das Anliegen mehrerer Bundesprogramme, die aktuell durch den Bundesverband Soziokultur umgesetzt werden, ist es ebenfalls, den Fortbestand soziokultureller Zentren und anderer Kultureinrichtungen zu sichern, die Ausstattung zu verbessern und die Programmarbeit zu gewährleisten. Die Zeitschrift belegt in Analysen und Zwischenbilanzen eindrucksvoll, was in den Häusern umgesetzt wird – Grund genug für einen zuversichtlichen Blick in eine Zukunft, in der wir uns hoffentlich bald wieder vor Ort treffen können!

Ihre Ute Fürstenberg und die Redaktion SOZIOkultur
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Seit Jahren tritt der Bundesverband Soziokultur e. V. für eine Vereinfachung und Verschlankung des Verwaltungsrechts ein. Gemeinsam mit dem Bundesnetzwerk für Bürgerschaftliches Engagement (BBE) entwickelte der Bundesverband Handlungsempfehlungen und setzte sich unter anderem in der Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Verwaltung ein – für Bürokratieabbau, Vereinfachung der Zuwendungspraxis und für Verwaltungsmodernisierung ein. Denn klar ist: Die Kulturschaffenden müssen sich mittlerweile im Übermaß mit formalen Fragen beschäftigen und verlieren wertvolle Ressourcen wie Zeit und personeller Expertise für ihre eigentliche Kulturarbeit.

Antragstellung vereinfachen

Schon bei der Beantragung von Mitteln haben Kommunen, Länder und Bund bislang unterschiedliche Anforderungen und Richtlinien. Wieder andere Voraussetzungen müssen die Antragstellenden beim Einwerben von EU-Geldern erfüllen. Und auch in der Abrechnungspraxis verlangen diejenigen, die Mittel bereitstellen, jeweils eine andere Art der Abrechnung.

Eine Kombination von EU-, Bundes- und Landesmitteln kann für einen kleinen soziokulturellen Verein mitunter einen Großteil seiner personellen Ressourcen binden. Und wer kümmert sich dann um das Eigentliche? Wer übernimmt die Planung, Umsetzung und Nachbereitung der Social Media Workshops mit den Rentner*innen aus der Nachbarschaft, für den die Gelder beantragt werden? Wer findet in der Kommune heraus, welche Art Kultur die Menschen dort wirklich brauchen, damit der Verein nicht Mittel beantragt, für die am Ende der Bedarf gar nicht vorhanden ist? Sollen das immer wieder Ehrenamtliche übernehmen? Vor lauter Bürokratie nicht den Fokus auf das Wichtigste zu verlieren, darum geht es in einer Vereinfachung der Verwaltung.

Wir sichern Mitwirkung zu

Wir, der Bundesverband Soziokultur e. V., begrüßen deshalb das erste gemeinsame Programm von Bund und Ländern für Rechtsvereinfachung, Praxisorientierung in der Gesetzgebung und Verständlichkeit im Verwaltungshandeln.

Selbstverständlich stehen wir zur Verfügung, unsere kontinuierliche Arbeit der letzten Jahre und die daraus erwachsene Erfahrung einzubringen, und an der Umsetzung wie gehabt tatkräftig mitzuwirken. 

 

 

Manche von uns haben dieses Jahr als ein pausenloses empfunden, eines ohne Innehalten, ein schlafloses, in dem Telefone nicht mehr stillstanden, in dem um Gelder und um Relevanz gerungen wurde, eines, in dem die Zeit viel zu schnell durch das Stundenglas rann. Andere waren im Gegenteil einer ungewollten Stille, einem Warten und einem Halt machen ausgesetzt.

Wir alle mussten und müssen immer noch geschlossene Türen, gefallene Vorhängen, ausgeknipste Scheinwerfer, und ausgesteckte Verstärker ertragen, mussten Künstler*innen vertrösten und um Ausfallgagen kämpfen. Deshalb möchten wir euch keine stille, stumme und ruhige Zeit wünschen.

Wir wünschen euch und uns allen von ganzem Herzen ein lautes, ein buntes, ein fröhliches NEUES JAHR!

Wir wünschen euch Energie zum Weitermachen und eine tosende Resonanz, die zeigt, dass Kunst und Kultur lebensrelevant sind. Dafür werden wir uns auch im neuen Jahr mit all unserer Kraft und unseren Mitteln einsetzen!

Wir danken euch allen für die Erfahrung, dass physische Distanz keine soziale und keine emotionale bedeuten muss. Wir danken euch für euer Durchhalten, eure Umsicht, eure Rücksicht und ganz herzlich für eure Unterstützung.

Und vor allem freuen wir uns auf ein gemeinsames nächstes Jahr!

Euer gesamtes Team vom Bundesverband Soziokultur e. V.