Soziokulturelle Aktivitäten finden vielerorts in Gebäuden statt, die nicht als kulturelle Bauten geplant wurden. Wir haben uns umgesehen und stellen in einem Streifzug durch die Republik exemplarische Häuser vor.

NIEDERSACHSEN: Theater der Nacht, Northeim

Wir, Heiko und Ruth Brockhausen, waren mit dem Theater der Nacht seit 1988 als Tourneetheater unterwegs. Da fiel uns 1994 die leerstehende Northeimer Feuerwache ins Auge. Der Standort in den Wallanlagen neben der alten Stadtkirche schien uns optimal. Wir überlegten, wie das Haus aussehen sollte. Aber unsere Vorstellungen wurden mit Skepsis betrachtet. Von „Wolkenkuckucksheim“ war die Rede oder „aufgeregter Architektur“. Die Denkmalpflege erhob Einwände wegen der Nähe zur denkmalgeschützten Kirche.

Nach vier Jahren Überzeugungsarbeit und harten Verhandlungen bekamen wir im Mai 1999 doch noch eine Finanzierung beisammen und konnten mit dem Umbau beginnen. Am 11.8.2001 haben wir mit einem rauschenden Fest die Eröffnung gefeiert. Wir haben seither unser Angebot stetig erweitert, 2014 noch einmal Werkstatträume angebaut. Die Vorstellungen, Kurse und Projekte werden gut angenommen – beziehungsweise wurden. Seit März 2020 sind wir ja durch die pandemiebedingten Schließungen extrem betroffen und wissen nicht, wie wir das Jahr überleben werden.

Text: Ruth Brockhausen

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Der Artikel erschien in der Zeitschrift SOZIOkultur zur Thema HÄUSER. Hier die Ausgabe zum Download.

In einem Streifzug durch die Republik zu exemplarischen Orten wird klar: Seit ihren Anfängen in den 1970er Jahren bis heute muss (und will) sich die Soziokultur die Räumlichkeiten, in denen sie ihre Aktivitäten entfalten kann, oft erst suchen und erobern. Heute finden soziokulturelle Aktivitäten vielerorts in Gebäuden statt, die nicht als kulturelle Bauten geplant wurden. Teils jahrelang werden ehemalige Kirchen- und Klostergebäude, alte Fabrikhallen und Elektrizitätswerke, Scheunen, Lagerstätten oder Höfe mit viel persönlichem Engagement und körperlichem Einsatz, mit Knowhow und Liebe zum Detail für die spartenübergreifende Nutzung ertüchtigt. Wir haben uns umgesehen und stellen exemplarische Häuser vor.

BADEN-WÜRTTEMBERG – Chapel, Göppingen

Seit die Fabrik für Kunst und Kultur e.V. im Jahr 1998 die alte Soldier Chapel von der Stadt Göppingen als Veranstaltungsort und Heimstatt für den Verein erhielt, hörten die Arbeiten am Haus eigentlich nie auf: erst Renovierungsarbeiten, dann die Instandsetzung der Fassade, kontinuierliche Optimierungen an der technischen Ausstattung bis zur großen Sanierung durch die Stadt Göppingen, zu der die Vereinsmitglieder weit über normales ehrenamtliches Engagement hinaus Hunderte von Stunden an Eigenleistung beitrugen.

Das Konzept des Umbaus ermöglicht eine große Wandelbarkeit der Location – ob für Ausstellungen, Konzerte, Theater, Filmdrehs, Festivals, Parties oder als Ort der Begegnung. Die Chapel verfügt über zwei Veranstaltungsräume, CHAPEL und KRYPTA für 700 beziehungsweise 200 Personen, sowie Vereinsraum, Mini-Kino, Werkstatt, Tonstudio, Proberäume, Vereinsbüro und Außenanlagen. Aktuell wird schon wieder gebaut: Der große Kirchenraum bekommt eine Bühne und eigene Technik. In naher Zukunft sollen dort auch kleine Veranstaltungen mit Abstand ohne Mehraufwand durchgeführt werden.

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Text: Amyna E. Wolf
Foto © Heiko Herrmann

Der Artikel erschien in der Zeitschrift SOZIOkultur zur Thema HÄUSER. Hier die Ausgabe zum Download.