Zwischenbilanz in Hamburg und Greiz: Das Hamburger Kindermuseum Kl!ck und die Alte Papierfabrik Greiz e.V. sind für die dort beheimateten Menschen wichtige Orte des kulturellen Erlebens und des Austausches. Mit der Förderung durch das NEUSTART Sofortprogramm haben sie sich auf die Fortsetzung ihrer kulturellen Arbeit vorbereitet. Für die Zukunft wünschen sie sich die Stärkung von Kinderrechten und Ehrenamt sowie die Förderung von pandemiebedingten Mehrkosten.

Bereit für eine pandemiegerechte Öffnung

Das Hygienekonzept des Kindermuseums berücksichtigt die Erfordernisse eines Museums, bei dem das persönliche Erleben und Ausprobieren für die Wissensvermittlung zentral ist. Mehrmals täglich erfolgt eine Reinigung aller Gegenstände, Griffe und Toiletten. Am Eingang sind vier neu erworbene Desinfektionsspender auf verschiedene Höhen eingestellt, damit eine Familie sie gleichzeitig nutzen kann. Die Ausstellungsbereiche wurden voneinander getrennt, ein System lässt nur eine bestimmte Anzahl an Menschen zu. Dann zeigt die Ampel rot und signalisiert, dass kein Eintritt mehr möglich ist.

Da jede Ausstellung für sich abgegrenzt ist, kann auf weniger frequentierte Räume ausgewichen werden. „Eltern und Erzieher*innen, die dies bislang nutzen konnten, waren sehr angetan. Die Kinder finden die Besucherzählung toll und rennen gerne hin und her, um den Farbeffekt zu beobachten. Wir können jederzeit wiedereröffnen, das Haus ist bereit“, erläutert Reinig. Mit Blick auf den bevorstehenden Sommer plant sie, zunächst den weiträumigen Außenbereich zu öffnen.

Wie machen die das?

Wie haben es das Kindermuseum Kl!ck in Hamburg und die Alte Papierfabrik in Greiz geschafft, einen pandemiegerechten Betrieb gewährleisten zu können? Wie werden sie mit ihrer Arbeit auch in Zukunft zur kulturellen Vielfalt beitragen? Das erläutern SVEN ROSENBERGER, Förderreferent und Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit, und CAROLIN VIKTORIN, Projektkoordination und Öffentlichkeitsarbeit beim NEUSTART Sofortprogramm des Bundesverbandes Soziokultur e.V., in ihrem Beitrag in der neuen SOZIOkultur zum Thema KOMMUNE.

Hier den ganzen Beitrag lesen.

Ihr wollt mehr erfahren über soziokulturelle Arbeit im Quartier? Ihr fragt euch, wie es auch während der Pandemie gelingt, Menschen zu erreichen und künstlerisch-kreativ zusammenzubringen? Dann ist der UTOPOLIS Newsletter genau das Richtige.

Wir berichten von neuen kontaktfreien Methoden in der soziokulturellen Arbeit, den Herausforderungen und Erfolgen während der Pandemie, und geben Ausblick auf hoffentlich bald wiederkehrende reale Begegnungen in der Nachbarschaft.

Nach rund zwei Jahren Arbeit im Quartier haben wir viele Geschichten zu erzählen und Infos gesammelt, die wir in 2-monatigen Abständen weitergeben wollen.

Hier geht‘s zur Anmeldung

2009 wurde der Verein Kunst und Kulturbaustelle 8001 e.V. in der Flensburger Neustadt gegründet. Ein Ziel war von Beginn an, den Erwartungen aus dem Stadtteil zu entsprechen, Aktionen und Programm an den Bedürfnissen der Nachbarschaft auszurichten. Es gab Kurzfilmabende, Jazzkonzerte, ein interkulturelles Musikprojekt entstand.

Je stärker der Fokus auf dem Stadtteil lag, desto deutlicher wurde die Aufgabe, nicht nur Kultur „für die Stadt“ zu schaffen, sondern ganz gezielt für die Menschen vor Ort. Die Kunstbaustelle wurde auch ein Stadtteilprojekt.

Allerdings ermöglichte erst die Förderung durch das Programm UTOPOLIS des Bundesverbands Soziokultur, mit den vorhandenen Mitteln auf die besonderen Herausforderungen im Stadtteil wirklich einzugehen.

Sichtbar werden und inspirieren, Bestehendes aufzeigen und Möglichkeiten zum Selber-aktiv-Werden eröffnen

Der Stadtteil Flensburg-Neustadt ist total „bunt“. Hier leben Menschen aus vielen Ländern und aus allen Gesellschaftsschichten. Gleichzeitig ist er relativ klein und übersichtlich. Was die Menschen im Quartier interessiert und bewegt, erfahren die Kunstbaustellen-Akteur*innen im alltäglichen Austausch mit der Nachbarschaft, mit den vielen vorhandenen kleinen Organisationen und Vereinen und bei ihren pass genau auf die Zielgruppen ausgerichteten Veranstaltungen. (…)

Ein aktueller Beitrag von Lothar Baur und Katja Hofschröer-Elbers – im Verein Kunst und Kulturbaustelle 8001 verantwortlich für das UTOPOLIS-Projekt „Transformation in der Neustadt“.

Den gesamten Beitrag lest ihr hier.

Mit dem Programm „LAND INTAKT – Soforthilfeprogramm Kulturzentren“ werden soziokulturelle Zentren, Kulturzentren, sowie Kultur- und Bürgerzentren in ländlichen Räumen gefördert.

Insgesamt 2,76 Millionen Euro hat die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien für nachhaltige Investitionen bereitgestellt. Wie wurden die Mittel eingesetzt und welche Ergebnisse wurden vor Ort erzielt?

Wir ziehen Bilanz.

Erstmals Investitionsmittel für Kulturzentren in ländlichen Räumen
Anfang letzten Jahres war die Freude groß: Erstmalig wurde ein Soforthilfeprogramm angekündigt, welches sich an Kulturzentren in ländlichen Räumen richtet und bundesweit Modernisierungsmaßnahmen sowie programmbegleitende Investitionen fördert. Bereits eine Befragung von Mitgliedern des Bundesverbands Soziokultur e.V. hatte vorab gezeigt, wie dringend Investitionsmittel zum Erhalt der Häuser benötigt werden. In Windeseile galt es für das neue Projektteam, Ausschreibungsunterlagen zu entwerfen und ein Antragsprozedere zu entwickeln. Um Förderanträge komplett digital verwalten zu können, wurde in enger Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister eine eigene Förderdatenbank entwickelt. Ein Novum für den Bundesverband – und ein großer Fortschritt zugleich. (…)

Fast 150 Kulturzentren erhielten eine Förderung – durchschnittlich 16 250 Euro +++ 2,21 Millionen Euro flossen in Bauunterhalt und Instandsetzung, davon rund 300 000 Euro in technische Modernisierung zur Steigerung der Energieeffizienz. +++ Mehr als 1 Million Euro wurden in Ausstattung für den Veranstaltungsbetrieb investiert, 291 000 Euro in den Verwaltungsbereich und in die Öffentlichkeitsarbeit.

Den gesamten Artikel, erschienen in der SOZIOKULTUR zum Thema „LAND“, lest ihr hier.

Vor Kurzem empfahl der Bundesverband Soziokultur dringend einen politischen Beschluss zur Fortsetzung des Bundesprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) noch in dieser Legislaturperiode. Wir sprachen uns für eine nahtose Fortführung des Programms im Jahr 2023 aus, um nachhaltig die Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen aufrechtzuerhalten, die das Programm verbessert.

Am Mittwoch, den 21. April, erklärte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek dazu: Das Förderprogramm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ soll ab 2023 für weitere fünf Jahre fortgesetzt werden. Bereits für Sommer 2021 ist die Erarbeitung/Veröffentlichung einer Förderrichtlinie geplant.

Hier die Pressemeldung von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek nachlesen.

Die Empfehlung des Bundesverbands Soziokultur zur Fortführung des Programms ist hier nachzulesen.

Der Bundesverband Soziokultur e. V. empfiehlt dringend einen politischen Beschluss zur Fortsetzung des Bundesprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) noch in dieser Legislaturperiode. Das Programm verbessert nachhaltig die Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen und sollte 2023 ohne Unterbrechung fortgeführt werden können.

Die Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen durch verlässliche Bildungsangebote dauerhaft zu verbessern, darüber besteht fraktionsübergreifend Konsens. Das ist ein Ergebnis des virtuellen „Parlamentarischen Abends“ zu dem die Partner*innen des Programms „Kultur macht stark“ Abgeordnete der Bundestagsausschüsse für Bildung, Kultur und Jugend sowie Expert*innen aus diesen Bereichen, am Mittwoch, den 24.03.2021 eingeladen hatten.

Vertreten waren u. a. der parlamentarische Staatssekretär im BMBF Thomas Rachel (CDU/CSU), die Mitglieder des Bundestags Yvonne Magwas (CDU/CSU), Ulrike Bahr (SPD), Margit Stumpp (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Birke Bull-Bischoff (Die Linke) und Hartmut Ebbing (FDP). Zu den Expert*innen der zivilgesellschaftlichen Akteur*innen zählten u. a. Jutta Croll (Stiftung Digitale Chancen), Marc Grandmontagne (Deutscher Bühnenverein), Holger Hoffmann (Deutsches Kinderhilfswerk) und Prof. Dr. Susanne Keuchel (Deutscher Kulturrat).

Bisher rund 30.000 Projekte für Kinder und Jugendliche

Um die bildungsbezogenen Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen langfristig, nachhaltig und kontinuierlich zu stärken, ist es unabdingbar, das erfolgreiche Bundesprogramm „Kultur macht stark“ unmittelbar nach dem vorläufigen Ende 2022 fortzuführen. Wir beobachten, dass sich die strukturell begründete Bildungsungerechtigkeit insbesondere durch die Einschränkungen der Pandemie verschärft und die Möglichkeiten der kulturellen und gesellschaftlichen Teilhabe insbesondere von Kindern und Jugendlichen erschwert hat.

Kinder und Jugendliche, die in Risikolagen und mit geringen Möglichkeiten zur kulturellen Teilhabe aufwachsen, benötigen zukünftig noch größere Unterstützung durch zusätzliche Angebote der außerschulischen kulturellen Bildung. In den bisher rund 30.000 Projekten von „Kultur macht stark“ eröffnen sich außerhalb der schulischen Bildung und des familiären Kontextes Freiräume und Experimentierfelder: Sich in diesen Kontexten ausprobieren zu können, fernab von schulischer Bewertung aus freien Stücken Lernerfahrungen zu machen und Selbstwirksamkeit zu erfahren – darin liegt die große Stärke des Programms. Solche Angebote sind durch die pandemiebedingte Bildungskrise wichtiger denn je.

Nahtlose Fortführung gewährleisten

Das vom Bundesverband Soziokultur sowie weiteren bundesweit tätigen zivilgesellschaftlichen Fachverbänden und Initiativen durchgeführte Förderprogramm schafft dank seiner großen Vielfalt zahlreiche Zugänge zu Kunst und Kultur und fördert gezielt die kreativen Ausdrucks- und Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen. Für mehr Bildungsgerechtigkeit in Deutschland muss das Engagement des Bundes langfristig gesichert werden. Damit Kinder und Jugendliche kontinuierlich kulturelle Bildungsangebote wahrnehmen können, muss die nahtlose Fortsetzung des Programms „Kultur macht stark“ gewährleistet werden. Eine Unterbrechung der Förderung würde die lokal aufgebauten Netzwerke aus diversen (überwiegend ehrenamtlich geführten) Einrichtungen und Akteur*innen sowie die aufgebauten Strukturen, die den Erfolg des Programms garantieren, empfindlich schwächen und gefährden. Darum ist noch in dieser Legislaturperiode ein Beschluss des Bundestages notwendig, der dieses zentrale Bildungsziel bildungspolitisch verbindlich fixiert und entsprechend finanzielle Mittel dafür in Aussicht stellt.

Margret Staal, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Soziokultur e. V. und der LAG Soziokultur & Kulturpädagogik Rheinland-Pfalz e. V., spricht sich explizit für einen politischen Beschluss zur Forstschreibung des Förderprogramms vor der nächsten Bundestagswahl aus: „Das Jahr 2017 markierte das Ende der ersten Förderperiode ‚Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung‘. Damals gab es eine massive Lücke bis die Förderungen erneut auf lokaler Ebene umgesetzt werden konnten. Das ist für die Adressat*innen des Programms schwer erträglich – Beziehungsarbeit, Kontinuität und Verlässlichkeit sind für die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen wichtig. Genauso essentiell ist die nahtlose Fortschreibung für die Akteur*innen in den soziokulturellen Einrichtungen, die die Projekte oftmals ehrenamtlich stemmen. Gerade jetzt und in der Folgezeit der Pandemie sind stabile Kontakte und verlässliche Fortsetzungen der Projekte notwendig, um die Kinder und Jugendlichen weiterhin zu erreichen. Wenn jetzt ein politischer Beschluss erfolgt, gibt es die Chance, dass sich die Unterbrechung aus 2018 nicht wiederholt.“

Prof.in Dr.in Susanne Keuchel, Vorsitzende des Deutschen Kulturrates: „Die fraktionsübergreifend große Unterstützung für das Programm ‚Kultur macht stark‘ ist enorm wichtig, da es das explizite Ziel verfolgt, Teilhabe von Kindern und Jugendlichen zu stärken, die aufgrund ihrer sozialen Lage kaum von außerschulischen kulturellen Bildungsangeboten erreicht werden. Da die Pandemie Bildungsungleichheiten noch einmal verschärft hat, ist es für die betroffenen Kinder und Jugendlichen wichtig, die Fortsetzung des Programms bereits jetzt verbindlich zu regeln, so dass keine Förderlücken entstehen. Ziel einer dritten Förderphase sollte es sein, die Projekte noch stärker innerhalb der lokalen Bildungslandschaften zu verankern, um langfristige Synergieeffekte zu ermöglichen. Als neue Programmatik sollte das Ziel verfolgt werden, mehr milieuübergreifende Begegnungen im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu ermöglichen und das Programm zugleich auch für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention zu öffnen.“

„Jugend ins Zentrum!“ des BV – Förderung für rund 8.000 Kinder und Jugendliche

Die 29 Programmpartner*innen der aktuellen Förderphase haben sich in einem Positionspapier für die Entwicklung einer dritten Förderphase „Kultur macht stark“ ausgesprochen und ihre Forderungen an den politischen Raum gerichtet. Hier können Sie das Positionspapier und die Forderungen nachlesen.

Der Bundesverband Soziokultur e. V. fördert mit dem Programm „Jugend ins Zentrum!“ im Rahmen von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ seit 2013 über 500 Projekte Kultureller Bildung und konnte so bereits rund 8.000 Kinder und Jugendliche mit erschwerten Zugängen zu Kunst und Kultur erreichen.

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Die Pressemeldung steht hier zum Download bereit.
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Weitere Informationen und Kontakt:

Bundesverband Soziokultur e. V.
Katrin Jahn | Projektleitung „Jugend ins Zentrum!“
Lehrter Str. 49 HH |10557 Berlin

Katrin.Jahn@soziokultur.de
www.jugend-ins-zentrum.de | Facebook @jugendinszentrum

Häuser, in denen man sich treffen, lachen, tanzen, Kunst erleben und kreativ sein kann, sind gerade jetzt im Lockdown Sehnsuchtsorte. Ihnen, der bewährten Basis und Hülle soziokultureller Arbeit, widmet sich die aktuelle Ausgabe der SOZIOkultur.

Dass die Orte der Soziokultur Knotenpunkte in kommunalen Netzwerken bilden, umreißt Georg Halupczok. Als sogenannte Dritte Orte und „Facility Manager der zivilgesellschaftlichen Debatte“ sind sie für das Klima der Demokratie wichtig – gerade auch in der Pandemie. Christine Steiner und Thomas Putz beschreiben die unterschiedliche Entstehungsgeschichte der Häuser in Ost und West und zeigen, wie sie sich in der Arbeit der Landesverbände in Baden-Württemberg und Thüringen niederschlägt.

Orte kultureller Selbstbestimmung

Viele soziokulturelle Zentren sind in Gebäuden beheimatet, die nicht für kulturelle Zwecke erbaut wurden: in Fabriken und Speichern, E-Werken und Schlachthöfen, Kirchen und Profanbauten. Ihrer Funktion enthoben werden sie – erträumt, erstritten und mit großem Engagement erarbeitet – zu Orten kultureller Selbstbestimmung. Ob in Trägerschaft der Kommune, als Vorhaben eines Vereins oder als private Initiative, immer wirken dabei Teams zusammen: Künstler*innen und Bauleute, Profis und Ehrenamtler*innen schaffen authentische Orte mit hohem Identifikationspotenzial.

So lenken Britta Velhagen und Team mit dem Tollhaus einen „Tanker“ in Karlsruhe und haben bei laufendem Veranstaltungsbetrieb über Jahre komplexe Bauvorhaben geschultert. Auch in Offenbach und Saarburg, Strodehne und Greifswald, Hamburg, Göppingen und unzähligen anderen Orten sind soziokulturelle Hotspots entstanden, die tagein, tagaus unterhalten und bewirtschaftet werden. Einmal mehr wird klar, dass die Aktiven Allrounder sind und sich mit großer Verantwortung in ihren Häusern auch den Herausforderungen der Architektur und Denkmalpflege, Instandsetzung und Modernisierung, Technik und Sicherheit stellen.

Die Gemeinde Schüttorf nutzt die Energie und Kompetenz der Soziokultur für die Gestaltung kommunaler Prozesse. Sie will ein Sanierungsgebiet entwickeln und zeigt mit dem Neubau eines soziokulturellen Zentrums, wie dieses als Impulsgeber wirken kann.

Förderprogramme des Bundesverbands

Das Anliegen mehrerer Bundesprogramme, die aktuell durch den Bundesverband Soziokultur umgesetzt werden, ist es ebenfalls, den Fortbestand soziokultureller Zentren und anderer Kultureinrichtungen zu sichern, die Ausstattung zu verbessern und die Programmarbeit zu gewährleisten. Die Zeitschrift belegt in Analysen und Zwischenbilanzen eindrucksvoll, was in den Häusern umgesetzt wird – Grund genug für einen zuversichtlichen Blick in eine Zukunft, in der wir uns hoffentlich bald wieder vor Ort treffen können!

Ihre Ute Fürstenberg und die Redaktion SOZIOkultur
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Zum Download hier die Ausgabe der SOZIOkultur zum Thema „HÄUSER“.

Die Printversion können Sie hier bestellen.

Bild: Theater der Nacht, Northeim © TdN

Die Unterschiede bei den Förderbedingungen für die soziokulturelle Arbeit sind zwischen den einzelnen Bundesländern zum Teil sehr groß. Die Corona-Krise hat diese Unterschiede noch einmal verdeutlicht.

Kultur gehört bekanntlich zu den freiwilligen Aufgaben kommunaler Selbstverwaltung, die deshalb auch durch die Kommunen zu finanzieren sind. Besonders in strukturschwachen Gebieten und in Problemquartieren von Großstädten reichen die kommunalen Einnahmen seit Jahrzehnten bei weitem nicht hin, um eine Grundfinanzierung der soziokulturellen Einrichtungen zu gewährleisten, die ein Mindestmaß an Planungssicherheit bietet. Während der letzten Jahre weisen die Leistungen unserer Mitgliedseinrichtungen sowohl qualitativ als auch quantitativ große Zuwächse auf. Parallel dazu hat sich beim Bund und in den Ländern das Bewusstsein vertieft, dass Soziokultur eine unverzichtbare Rolle für das demokratische Gemeinwesen spielt und mit vereinten Kräften unterstützt werden muss. Zwischen den einzelnen Ländern bestehen aber zum Teil sehr große Unterschiede. Es gab sie bereits während der „normalen“ Vor-Pandemiezeiten, und es gibt sie in den landespolitischen Reaktionen auf die aktuelle Krise. Erstmalig geben die Landesverbände einen Überblick über beides.

Teil 8: Niedersachsen

Der Landesverband Soziokultur Niedersachsen erhält seit 1989 eine institutionelle Landesförderung. 1991 wurden Gelder für die Einrichtung regionaler Beratungsstellen sowie die Vergabe von Investitions- und Projektmitteln vom Land bereitgestellt. Als Etat wurden jährlich circa vier Millionen D-Mark eingerichtet. 2006 kam es unter der neuen Landesregierung der CDU/FDP-Koalition zu einem extremen Einbruch: Ab 2007 gab es nur noch circa 40 % Streichung des Investitionsetats und die anteilige Kürzung der Projekt- und Verbandsmittel, was Entlassungen sowie Kürzungen der Gehälter nach sich zog. Zusätzlich wurde dem Verband die Mittelvergabe für Projekte entzogen.

Mit Kulturministerin Johanna Wanka (2010–2015, CDU) begann ein Landeskulturentwicklungsprozess, der die Kulturakteure mit einbezog und die Soziokultur stärkte: Ein Etat in Höhe von einer Million Euro für Investitionen wurde vom Land eingerichtet und vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) vergeben. Mit der Regierung SPD-Kulturministerin ging die Vergabe der Projektmittel 2015 wieder an den Landesverband.

Für die Jahre 2016 bis 2018 wurden bis zu 500.000 Euro des Investitionsetats für den Förderschwerpunkt „Neue künstlerische Formate“ umgewidmet. Unter dem aktuellen Kulturminister Björn Thümler (CDU) wurden nach 2018 diese 500.000 Euro vom Land nicht mehr bereitgestellt, auch nicht für Investitionen. Aktuell vergibt das MWK jährlich weiterhin 500.000 Euro für Investitionen.

Seit 2017 gibt es zusätzlich ein vom Parlament eingerichtetes Investitionsprogramm für alle kleinen Kulturvereine (Höhe circa 2,5 Millionen Euro), bei dem auch kleine soziokulturelle Vereine Geld beantragen können. Die aktuelle Zielvereinbarung des Landesverbandes mit dem MWK läuft Ende 2020 aus, notwendig wären dringend Erhöhungen, um Wertverluste unter anderem aufgrund von Inflation auszugleichen.

Zur Situation mit Corona: Auch in Niedersachsen kann die Bundessoforthilfe von Vereinen und gGmbHs beantragt werden, jedoch unter der Bedingung, „wirtschaftlich und damit dauerhaft am Markt als Unternehmen tätig“ zu sein beziehungsweise gewinnorientiert zu arbeiten.

Einerseits wurden bereits Zuschüsse an Vereine ausgereicht, andererseits gab es Ablehnungen. Bislang gibt es in Niedersachsen kein Landeshilfsprogramm explizit für Kulturvereine, auch nicht für freie Kulturschaffende, wie in anderen Bundesländern. Einzelne Stiftungen und Städte in Niedersachsen haben Förderungen für Kulturvereine und/oder Kulturschaffende bereitgestellt.

Um vom Land Unterstützung für die Kulturvereine und -einrichtungen sowie Selbstständigen zu erhalten, hat der Arbeitskreis niedersächsischer Kulturverbände (AKKU), dessen Mitglied der Landesverband ist, seit März vier Brandbriefe an das MWK, den Ministerpräsidenten und die Politik geschrieben und hielt sogar eine Mahnwache am 23. April vor dem Landtag im Rahmen einer Sondersitzung des Parlaments ab. Der NDR und die Hannoversche Allgemeine Zeitung griffen dies auf. Nun war aktuell zu lesen, dass zehn Millionen Euro für die Kultur kommen sollen. Ob es genau so erfolgen wird, wer antragsberechtigt ist – all das ist noch nicht bekannt.

Der Landesverband hat im Zuge von Corona früh auf seiner Website Informationen für alle Kulturschaffenden in Niedersachsen bereitgestellt und eine themenspezifische Beratungssprechstunde eingerichtet. Als mutmachend haben die Mitglieder auch die Programme LAND INTAKT und NEUSTART empfunden sowie die aufgrund von Corona ins Leben gerufene Sonderförderung des Fonds Soziokultur.

Die Unterschiede bei den Förderbedingungen für die soziokulturelle Arbeit sind zwischen den einzelnen Bundesländern zum Teil sehr groß. Die Corona-Krise hat diese Unterschiede noch einmal verdeutlicht.

Kultur gehört bekanntlich zu den freiwilligen Aufgaben kommunaler Selbstverwaltung, die deshalb auch durch die Kommunen zu finanzieren sind. Besonders in strukturschwachen Gebieten und in Problemquartieren von Großstädten reichen die kommunalen Einnahmen seit Jahrzehnten bei weitem nicht hin, um eine Grundfinanzierung der soziokulturellen Einrichtungen zu gewährleisten, die ein Mindestmaß an Planungssicherheit bietet. Während der letzten Jahre weisen die Leistungen unserer Mitgliedseinrichtungen sowohl qualitativ als auch quantitativ große Zuwächse auf. Parallel dazu hat sich beim Bund und in den Ländern das Bewusstsein vertieft, dass Soziokultur eine unverzichtbare Rolle für das demokratische Gemeinwesen spielt und mit vereinten Kräften unterstützt werden muss. Zwischen den einzelnen Ländern bestehen aber zum Teil sehr große Unterschiede. Es gab sie bereits während der „normalen“ Vor-Pandemiezeiten, und es gibt sie in den landespolitischen Reaktionen auf die aktuelle Krise. Erstmalig geben die Landesverbände einen Überblick über beides.

Teil 7: Mecklenburg-Vorpommern

Die Corona-Pandemie hat das Land vor enorme Herausforderungen gestellt. Auch wenn die Fallzahlen der Infizierten sehr niedrig sind, stellt die Krise einen immensen Einschnitt in das wirtschaftliche und öffentliche Leben dar. In Mecklenburg-Vorpommern mit seinen zumeist ländlich geprägten Regionen sind die Kulturszene und der Tourismus besonders hart betroffen. Die Landesregierung hat mit dem Einreiseverbot sehr schnell auf die gesundheitliche Bedrohung reagiert. Die Schließung der touristischen Hotspots und kulturellen Einrichtungen und damit die weitgehende Stilllegung des öffentlichen Lebens war sicherlich die richtige Entscheidung. Aber die Folgen dieses Shutdowns sind kaum abzusehen.

Positiv hervorzuheben ist die schnelle Reaktion auf die Krise, das frühzeitige Bemühen, den Schaden in allen wirtschaftlichen und öffentlichen Bereichen zu minimieren und den Menschen – auf privater und beruflicher Ebene – Sicherheit zu geben, damit sie sich nicht alleingelassen fühlen. Dazu wurden verschiedene Hilfsprogramme aufgelegt.

So können im Rahmen des MV-Schutzfonds Nothilfen beantragt werden, die betriebliche Ausfälle abfedern sollen. Hier können bis zu 40.000 Euro Unterstützung beantragt werden, jedoch nicht für die Deckung von Lebenshaltungskosten. Für soziokulturelle Einrichtungen greift diese Soforthilfe, wenn sie über Räumlichkeiten und Angestellte verfügen. Kleinere, oft ehrenamtlich organisierte Initiativen ohne feste Räumlichkeiten und viele Künstler*innen und Solo-Selbständige können dieses Programm nicht nutzen.

Auch die angebotenen Kredite werden von ihnen weniger in Anspruch genommen, da fraglich ist, wie sie diese im späteren Verlauf zurückzahlen können. Die Kultur war schon vor der Krise kein einträgliches oder gewinnorientiertes Feld und unterfinanziert. Die meisten (sozio-) kulturellen Einrichtungen werden mit viel Herzblut und ehrenamtlichem Engagement betrieben. Ohne diesen oftmals an Selbstausbeutung grenzenden Einsatz würden viele von ihnen nicht überleben. Die Problematik wurde bereits von der Landesregierung erkannt. Sie versucht mit der Implementierung kulturpolitischer Leitlinien, die seit einiger Zeit in Entwicklung sind, diesem Missverhältnis entgegenzutreten. Denn eines ist allen klar: Die Kulturlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern steht für Vielfalt, lebendigen Austausch und ist nicht zuletzt demokratiestiftend.

Zusätzlich wurde ein Hilfsfonds für die Kultur geschaffen. Hier können Kulturschaffende, gemeinnützige Organisationen und Vereine Unterstützung wie folgt beantragen:
>>> institutionell und dazu analog geförderte Einrichtungen (3,5 Mio. Euro)
>>> Träger mit gemeinnützigen Projekten in der Kulturförderung (3,8 Mio. Euro)
>>> Träger mit gemeinnützigen Projekten außerhalb der Kulturförderung (1,5 Mio. Euro)
>>> Überbrückungsstipendien für freischaffende Künstler*innen (wird als zweckbestimmtes Einkommen nicht auf ALG II angerechnet)
>>> Träger der allgemeinen und politischen Weiterbildung (600.000 Euro)
>>> Träger der Gedenkstättenarbeit (200.000 Euro)

Leider finden auch in diesem Fonds viele Freiberufliche kaum Unterstützung. Daher möchte der Landesverband Soziokultur in Mecklenburg-Vorpommern dringend anregen, für hauptberuflich freischaffende Künstler*innen eine Soforthilfe in Höhe von 1.000 Euro pro Monat bis zum Ende der pandemiebedingten Einnahmeverluste nach dem Vorbild von Baden-Württemberg und Bayern einzuführen.

Bis es zu Öffnungen der Kulturbetriebe kommt und wir wieder uneingeschränkt Konzerte, Theater, Workshops und Ähnliches genießen können, scheint es noch ein langer Weg zu sein. Bis dahin halten wir die Kultur lebendig und nutzen andere Wege des Miteinanders. So wie das Kulturfestival „Nordischer Klang“, digital und sicher: Es wurde kurzfristig auf ein digitales Format umgestellt – für ein so umfangreiches Festival sehr beeindruckend. Auch das deutschlandweit bekannte „FiSH-Festival“ in Rostock ging in diesem Jahr digital an den Start. Viele unserer Mitglieder reagieren schnell und kreativ auf die veränderte Situation und demonstrieren so die Resilienz der Soziokultur.

(Stand 20. Mai 2020)

Der Vergleich zwischen den Bundesländern ist in der Zeitschrift SOZIOkultur 2/2020 Lock’n’Roll erschienen.

Gemeinsame Pressemitteilung der LAG Soziokultur Thüringen, des Thüringer Theaterverbands und der LAG Spiel und Theater in Thüringen:

Angesichts des teilweisen Kultur-Lockdowns und der zu erwartenden Folgen der Pandemie für 2021 fordern die Thüringer Kulturverbände für Soziokultur und freie Theater eine schnelle und bedarfsgerechte Fortführung der Thüringer Corona-Hilfen für gemeinnützige Träger

Im Thüringer Corona-Sondervermögen sind für die Bereiche Soziokultur und freie Theater zum Ausgleich von Einnahmeverlusten Zuschüsse von 5,2 Mio. Euro vorgesehen. Ein Teil der Mittel kam über die Thüringer Corona-Hilfe für gemeinnützige Träger bereits soziokulturellen Einrichtungen und freien Theaterbühnen zugute. Die Antragsfrist lief jedoch am 15. Oktober aus. Wie die nicht verausgabten Gelder dieses Fonds nun eingesetzt werden, ist bisher unklar.

Der derzeitige teilweise Kultur-Lockdown trifft viele soziokulturelle Einrichtungen, Initiativen und freie Theaterbühnen vor allem deshalb hart, weil viele nach mühsamer und in der Regel ehrenamtlicher Vorbereitung gerade den Veranstaltungsbetrieb wieder aufgenommen hatten und damit eingeplante Einnahmen erneut wegbrechen werden.

Für das Jahr 2021 erwarten wir deshalb für die Einrichtungen noch schwerwiegendere und existenzbedrohendere Auswirkungen der Pandemie als im Jahr 2020: So befürchten wir gravierende Einschnitte in der öffentlichen Kulturförderung aufgrund der Haushaltsnotlagen der Kommunen. Kommunale Zuschüsse und Projektförderungen werden teilweise wegfallen, sich reduzieren oder verspätet ausgereicht.

Viele Akteure haben zudem inzwischen ihre Rücklagen aufgebraucht. Einnahmen aus Spenden und Sponsoring sind größtenteils weggebrochen. Auch Stundungen für Mieten oder Pachten werden 2021 fällig. Dadurch können viele Träger finanzielle Lücken nicht mehr schließen und die Eigenmittelanteile für Förderprogramme nicht mehr aufbringen. Zudem ist derzeit nicht absehbar, welche notwendigen pandemiebedingten Maßnahmen im kommenden Jahr noch auf die Einrichtungen zukommen, um den Veranstaltungsbetrieb wieder starten zu können.

Alle diese Gründe bewirken, dass Projekte und Einrichtungen gefährdet und perspektivisch einzelne Einrichtungen existentiell gefährdet sind.

Deshalb halten wir es für dringend geboten, dass die Thüringer Corona-Hilfe für Soziokultur und freie Theater für dieses und das kommende Jahr verfügbar bleibt. Wir schlagen folgende Maßnahmen vor:

1. Möglichkeit von Aktualisierung und Neuantragstellung 2020
Aufgrund von aktuellen Veränderungen der Infektionslage sollten Korrekturen der schon gestellten Anträge für den Zeitraum Oktober bis Dezember 2020 sowie Neuanträge für diesen Zeitraum möglich sein.

2. Fristverlängerung Corona-Hilfe 2021
Wir plädieren für eine Verlängerung der Frist für die Thüringer Corona-Hilfe bis mindestens 30. Juni 2021 mit Option auf weitere Fortführung. Auf Bundesebene ist geplant, die Überbrückungshilfen für Unternehmen und Soloselbständige bis Mitte 2021 zu verlängern. Hier sollten gleiche Maßstäbe für den gemeinnützigen Sektor angelegt werden.

3. Nicht nur Notbetrieb kompensieren
Die Förderrichtlinie sieht lediglich eine Kompensation von Einnahmeausfällen im „Notbetrieb“ („der auf ein Minimum zum Erhalt der Existenz eingeschränkte Betrieb“) vor. Wir halten es für wichtig, Einrichtungen auch zu ermutigen – wenn es das Infektionsgeschehen zulässt – den Veranstaltungsbetrieb wieder aufzunehmen und entsprechende Einnahmeausfälle über die Corona-Hilfe geltend zu machen. Hier muss die Förderrichtlinie angepasst und entsprechend kommuniziert werden.

4. Eigenmittel-Anteile über Corona-Hilfe abdecken
Bei vielen Förder- und Hilfsprogrammen ist der Einsatz von Eigenmitteln (10 bis 20 %) Fördervoraussetzung. Eigenmittel sind jedoch bei vielen Einrichtungen nicht mehr vorhanden. Eine (teilweise) Übernahme des Eigenmittel-Anteils wäre für die Akteure essenziell.

5. Förderung pandemiebedingter Investitionen und Projekte 2021
Durch die Entwicklung der Pandemielage können weitere Investitionen und eine Unterstützung der Programmarbeit notwendig werden. Wir schlagen vor, hierfür Mittel für ein flexibles Förderprogramm aus dem Sondervermögen bereitzustellen.
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Die LAG Soziokultur Thüringen, der Thüringer Theaterverband und die LAG Spiel und Theater in Thüringen vertreten als kulturelle Landesverbände die Interessen von mehr als 130 Einrichtungen der Soziokultur und freien Theaterszene im Freistaat.

Kontakt für Rückfragen:
LAG Soziokultur Thüringen e. V.
Bettina Rößger (Geschäftsführerin)
Tel. 0361 7802140
info@soziokultur-thueringen.de

Thüringen Theaterverband e. V.
Mathias Baier (Geschäftsführer)
Tel. 03672 4885164
info@thueringer-theaterverband.de

LAG Spiel und Theater Thüringen e. V.
Uta Homberg (Geschäftsführerin)
Tel. 03601 816690
spiel-und-theater@lag-thueringen.de