12.12.2019
Verbandsnachrichten

Die Mitgliederversammlung am 15. Mai in Kassel

Zwischenbilanz – Am 15. November 2019 fand im neu errichteten Veranstaltungssaal des Kulturzentrums Schlachthof Kassel die Mitgliederversammlung des Bundesverbandes statt.

Mitgliederversammlung im Kulturzentrum Schlachthof

Begrüßt werden die Vertreter*innen von zwölf der 14 Landesarbeitsgemeinschaften und der Bundesgeschäftsstelle von der langjährigen Geschäftsführerin des Schlachthofs Christine Knüppel, die derzeit eine Nachfolge für ihr lebendiges Stadtteilzentrum sucht, das Kulturveranstalter, Bildungs- und Beratungseinrichtung sowie Jugendhilfeträger zugleich ist. Reihum berichten die Landesverbände von den aktuellen kulturpolitischen Entwicklungen. Dabei zeigt sich, dass es nach wie vor gravierende Unterschiede in der Förderung von Soziokultur durch die einzelnen Bundesländer gibt. Um dies greifbarer zu machen, plant die Bundesvereinigung im nächsten Jahr eine Publikation herauszugeben, die einen Überblick zu den jeweiligen Landesförderungen beinhalten wird.

Jugend ins Zentrum

Als eine Art Zwischenbilanz werden im Folgenden die Projekte und Fortbildungsreihen des Verbandes vorgestellt. Katrin Jahn, Projektleiterin von „Jugend ins Zentrum!“, kann auf mehr als zehn Millionen Euro verweisen, die vom BMBF durch das Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ in den Jahren 2013 bis 2022 bereitgestellt und durch die Bundesvereinigung für die Förderung von Kulturprojekten mit bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen weitergeleitet werden. Die Verwaltungsvereinfachung bleibt jedoch bei diesem Bundesprogramm ein dringliches Thema, an dem die Bundesvereinigung und weitere Programmpartner und -initiativen gemeinsam mit dem Projektträger, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., kontinuierlich arbeiten. Mehrjährige Förderung, Festbetrags­finanzierung und die Anerkennung erschwerter Bedingungen im ländlichen Raum zählen dazu. Das Projektteam will den Antragsteller*innen künftig mit Videotutorials, sogenannten Vlogs, und mit verschlankten Antragsdokumenten bei der Bewältigung der administrativen Anforderungen helfen.

START –  Create Cultural Change

Jennifer Tharr, Projektleiterin von „START – Create cultural change“, kann nach fünf Programmjahren verkünden, dass 72 Kulturinitiativen in 28 Städten Griechenlands aktiv waren und sind. 6.500 Team-Mitglieder, 25.000 aktiv involvierte Teilnehmende und 50.000 Zuschauer*innen kamen der soziokulturellen Arbeit ein Stück näher, diese wird inzwischen auf allen kulturpolitischen Ebenen Griechenlands wahrnehmbar geschätzt. Ihre ersten Erfahrungen sammelten die jährlich 30 Stipendiat*innen in insgesamt 68 soziokulturellen Zentren und Initiativen in Deutschland, von denen einige mehrmals als Gastinstitution fungierten. Die Zentren erhielten insgesamt mehr als eine halbe Million Euro für die Vermittlung ihrer partizipativ angelegten Kulturarbeit und für die Begleitung der innovativen Projekte der griechischen Kulturmanager*innen.

UTOPOLIS – Soziokultur im Quartier

Die neuen Modellstandorte von „UTOPOLIS – Soziokultur im Quartier“ in Brandenburg, Schleswig-Holstein, Sachsen und im Saarland stellt Projektleiterin Kristina Rahe vor. Sie hat sich vorgenommen, künftig einen Schwerpunkt auf die begleitende Öffentlichkeitsarbeit zu legen, um die spannenden Aktivitäten in den Quartieren, die mit Mitteln des Programms „Soziale Stadt“ gefördert werden, verstärkt zu verbreiten.

AfP – Seminare

Die Entwicklung des Fortbildungsprogramms „Aufsicht führende Personen in Veranstaltungsstätten“ fasst Geschäftsführerin Ellen Ahbe zusammen. Sie stellt fest, dass die Nachfrage seit Beginn im Jahr 2017 in allen Bundesländern ungebrochen ist (siehe Umschlagseite 2). Insgesamt 472 Teilnehmende, davon 431 aus Mitgliedseinrichtungen der Bundesvereinigung, nahmen das Angebot wahr und äußerten sich durchweg positiv über das dreitägige Seminar. „Ein auf den ersten Blick trockenes Thema wird durch viele praxisnahe Beispiele und Übungen aus dem soziokulturellen Alltag interaktiv vermittelt“, so das Feed­back. Dieses Lob gilt vor allem Thomas Schiffmann, Meister für Veranstaltungstechnik und Technischer Betriebswirt im Kulturzentrum E-Werk Erlangen. Seit 2017 bietet die Bundesvereinigung zusätzlich das Seminar „Licht – richtiger Einsatz auf Bühnen und Szenenflächen“ an, das ebenfalls durch ihn geleitet wird.

Öffentlichkeitsarbeit

Nikolaus Hausser, seit April für die Erweiterung der Öffentlichkeitsarbeit der Bundesvereinigung im Bereich Neue Medien zuständig, berichtet von der kommenden Website und der Möglichkeit, Inhalte, zum Beispiel der Zeitschrift SOZIOkultur, zukünftig breiter im Netz streuen zu können, um so mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. Er verweist auf eine gute Resonanz der Beiträge bei Facebook und Twitter. Aktuell für großen Zuspruch sorgte Anfang Dezember die Positionierung der Bundesvereinigung zur Gefährdung der Gemeinnützigkeit von soziokulturellen Zentren. Der Beitrag wurde auf Facebook und Twitter 174-mal geteilt.

Reiner Bode und Sigfried Dittler verlassen den Vorstand

Nach dem Revisionsbericht der beiden Kassenprüfer Ralf Jonas und Anselm Züghart erfolgt die Entlastung des Vorstandes und zugleich auch die Verabschiedung von Rainer Bode und Siegfried Dittler, die nicht wieder kandidieren. Rainer Bode war bundesweit in zahlreichen Gremien das Gesicht und die Stimme der Soziokultur und hat viele Jahre lang mit großem Engagement und sehr erfolgreich die Interessen der Bundesvereinigung vertreten. Er geht in den Ruhestand und gibt seinen Nachfolger*innen mit auf den Weg, „sich nicht beeindrucken zu lassen von irgendwelchen großen Fußstapfen.“ Man solle einfach weitermachen und sich immer nach dem Nutzen für die Zentren fragen. Im Beirat der Künstlersozialkasse wird er in den nächsten Jahren noch für die Soziokultur streiten, und sicher trifft man ihn auch künftig in verschiedenen Fachausschüssen und auf Veranstaltungen an, so weit es sein politisches Engagement auf kommunaler Ebene zulässt.

Der neue Vorstand der Bundesvereinigung

Im Anschluss daran wird der neue Vorstand gewählt. Mit Yannic Bill und Heike Herold werden zwei neue Mitglieder im Vorstand begrüßt.

Yannic Bill ist Media Artist, er absolvierte den Studiengang Leadership in the creative industries (M.A.) an der Hochschule Darmstadt. Er ist Vorsitzender des Vereins der Kulturhalle Schanz in Mühlheim am Main. Sein Arbeitsfeld  ist dabei das Veranstaltungsgeschäft vor Ort. „Support Local“ ist eines seiner Hauptanliegen, seine Masterarbeit zum Thema „Activists Music“ widmet sich der Vernetzung und Förderung junger Künstler*innen im Musikbereich. Hauptberuflich ist Yannic Bill selbstständig tätig und betreibt die Medien- und Event­agentur The Motion Factory.

Corinne Eichner  studierte Soziologie, Journalistik, Politikwissenschaften und Kunstgeschichte in Göttingen und Hamburg. Sie arbeitete unter anderem in der Erwachsenenbildung, als freie Journalistin und Kulturmanagerin. Seit 2011 ist sie Geschäftsführerin von STADTKULTUR HAMBURG. Für diesen Dachverband baute sie den BFD ­Kultur und Bildung und den BFD Welcome auf. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Interkultur/Offene Gesellschaft, Kulturpolitik und Kommuni­kation/Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist Mitglied im Hamburger Landesrat Stadtteilkultur.

Georg Halupczok gehörte in den 1980er Jahren zu den Gründer*innen des Kultur- und Kommunika­tions­zentrums Brunsviga in Braunschweig und war bis 2015 dessen Geschäftsführer. Er vertritt die Bundesvereinigung im Fachausschuss Arbeit und Soziales des Deutschen Kulturrates. Bis 2013 gehörte er dem Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur Niedersachsen an. Er ist Mitglied im Verwaltungsausschuss des Staatstheaters Braunschweig. Seit 2016 ist er freiberuflich als Berater für Kultureinrichtungen bundesweit tätig.

Heike Herold ist seit Anfang 2019 Geschäftsführerin der LAG Soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen e.V. Zuvor war sie im Kulturbetrieb vor allem mit dem Schwerpunkt Kulturförderung tätig: als Leiterin des Kulturbüros im Landesprogramm „Regionale Kulturpolitik in OWL“ und als Referatsleiterin für Kulturförderung/Kulturpartnerschaften beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Ihr beruflicher Hintergrund ist ein kulturwissenschaftliches Studium an der Universität Hildesheim und ein Zertifikat zum geprüften Coach und Moderator, das sie am Zentrum für Wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Bielefeld erwarb.

Andreas Kämpf ist Geschäftsführer des Kulturzentrums GEMS in Singen und ­Vorsitzender der Landesarbeits­gemeinschaft der Kulturinitiativen und Soziokulturellen Zentren in Baden-­Württem­berg e.V. Er vertritt die Bundesvereinigung im Rat für Soziokultur und Kulturelle Bildung sowie im Deutschen Kulturrat. Von 2013 bis 2019 war Andreas Kämpf Vizepräsident des Deutschen Kulturrates; derzeit ist er hier Vorsitzender des Fachausschusses Europa/Internationales. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die europäische und internationale Kulturpolitik.

Margret Staal war 1986 Mitbegründerin des soziokulturellen Zentrums Haus Felsenkeller in Altenkirchen (Westerwald). Sie beteiligte sich am Aufbau von Landesstrukturen im Bereich Andere Bildung, Soziokultur und Kulturpädagogik. In der LAG Soziokultur und Kulturpädagogik Rheinland-Pfalz engagiert sie sich im Vorstand und ist als Referentin für das FSJ Kultur und für den Auf- und Ausbau von Jugendkunstschulen tätig. Als Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung hat sie insbesondere das Projekt „Jugend ins Zentrum!“ begleitet.

Berndt Urban gehörte 1979 zu den Gründer*innen des Kulturzentrums E-Werk in Erlangen und ist seit 1986 dessen Geschäftsführer. Er ist Mitglied des Vorstands der LAG Soziokultur Bayern e.V. Ebenfalls seit 1986 gehört er dem Vorstand der Bundesvereinigung an und zeichnet seitdem für die Finanzen verantwortlich. Er vertritt er die Interessen der Mitgliedseinrichtungen der Bundesvereinigung gegenüber der GEMA. Seit 2008 ist er stimmberechtigtes Mitglied im Jugendhilfeausschuss der Stadt Erlangen.

Weitere Artikel

06.03.2021
Zeitschrift SOZIOkultur

MECKLENBURG-VORPOMMERN: St. Spiritus, Greifswald

Soziokulturelle Aktivitäten finden vielerorts in Gebäuden statt, die nicht als kulturelle Bauten geplant wurden. Wir haben uns umgesehen und stellen exemplarische Häuser vor.

MECKLENBURG-VORPOMMERN: St. Spiritus, Greifswald

Das soziokulturelle Zentrum St. Spiritus wurde 1990 gegründet. Das Gebäude wurde bereits zu DDR-Zeiten für Kulturarbeit genutzt und nach der Wende zum soziokulturellen Zentrum in städtischer Trägerschaft umfunktioniert. Für das bauliche Ensemble war diese Nutzung die Rettung. Der Gebäudekomplex – seit dem Mittelalter Hospital und Wohnstatt für Alte und Kranke – besteht aus einem Innenhof mit mittelalterlicher Budenbebauung, einem zweistöckigen Haus aus dem Jahr 1740 auf mittelalterlichen Grundmauern und einem ehemaligen Kirchenbau mit Ursprüngen aus dem 13. Jahrhundert. Von 2000 bis 2008 wurden die Gebäudeteile durch die Stadt mithilfe von Fördermitteln saniert. Es war ein Spagat, Denkmalpflege und die Nutzung als Veranstaltungsort in Einklang zu bringen, der aber sehr gut gelang. Nun wird die ehemalige Kapelle als Veranstaltungssaal genutzt, in den Hofbuden sind künstlerische Werkstätten untergebracht, der Lagerboden wurde Ausstellungsraum. Gerade die wunderschönen historischen Details machen den besonderen Charme des Ortes aus.

Text: Imke Freiberg

www.kulturzentrum.greifswald.deSt.Spiritus auf Facebook

Der Artikel erschien in der Zeitschrift SOZIOkultur zur Thema HÄUSER. Hier die Ausgabe zum Download.

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05.03.2021
Zeitschrift SOZIOkultur

RHEINLAND-PFALZ: KulturGießerei Saarburg

In einem Streifzug durch die Republik zu exemplarischen Orten wird klar: Soziokulturelle Aktivitäten finden vielerorts in Gebäuden statt, die nicht als kulturelle Bauten geplant wurden. Wir haben uns umgesehen und stellen exemplarische Häuser vor.

RHEINLAND-PFALZ: KulturGießerei Saarburg

Als die Glockengießerei Mabilon Ende 2002 ihre Produktion aus Altersgründen aufgeben musste, verblieb ein Gebäudekomplex von großer kulturhistorischer Bedeutung, der im denkmalgeschützten Altstadtbereich der Stadt Saarburg seit 1770 ansässig ist. Bis zu fünf Tonnen schwere Glocken fanden ihren Weg von hier aus quer durch Europa in die ganze Welt. Doch was sollte mit dem anerkannten Denkmal passieren?

Eine Nutzung als Museum und Veranstaltungsstätte lag nahe in einer Region, für die Kultur und Tourismus enorme Bedeutung haben. Mit weiteren Standbeinen im Bereich der sozialen Arbeit und der Bildung entwickelte der Trägerverein, KulturGießerei Saarburg – Lokales Bündnis für Familie e.V., ein soziokulturelles Gesamtkonzept. Es beruht auf einer kompletten inhaltlichen Vernetzung – ganz im Sinne des Leitbildes „Wir machen uns stark für Familien“ und ist auf Vielfalt, bürgerschaftliches Engagement und demokratisches Miteinander ausgerichtet. Der Erfolg beruht auf der hohen Identifikation der Menschen mit dem Ort, langem Atem, großer Akzeptanz auch bei Entscheidungsträgern sowie der Anbindung an kommunale Strukturen.

Text: Dr. Anette Barth
KulturGießerei in Saarburg heute. Foto © KulturGießerei

www.kulturgiesserei-saarburg.deKulturgießerei auf Facebook

Der Artikel erschien in der Zeitschrift SOZIOkultur zur Thema HÄUSER. Hier die Ausgabe zum Download.

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04.03.2021
Stellenangebote

Projektmanagement / Sachbearbeitung und Veranstaltungsorganisation w / m / d bei BDAT e.V.

Bund Deutscher Amateurtheater e.V. (BDAT) sucht eine Person für Projektmanagement / Sachbearbeitung und Veranstaltungsorganisation (w / m / d) am Arbeitsort Berlin. Bewerbung bis bis spätestens 19. März 2021. Die Stelle wird als Vertretung für Mutterschutz und Elternzeit ausgeschrieben und ist bis voraussichtlich 30.09.2022 befristet. Bei Interesse kann für 2021 eine Aufstockung auf Vollzeit (39 h) durch Mitarbeit in einem anderen Projekt des BDAT erfolgen.
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03.03.2021
Zeitschrift SOZIOkultur

NIEDERSACHSEN: Theater der Nacht, Northeim

Soziokulturelle Aktivitäten finden vielerorts in Gebäuden statt, die nicht als kulturelle Bauten geplant wurden. Wir haben uns umgesehen und stellen in einem Streifzug durch die Republik exemplarische Häuser vor.

NIEDERSACHSEN: Theater der Nacht, Northeim

Wir, Heiko und Ruth Brockhausen, waren mit dem Theater der Nacht seit 1988 als Tourneetheater unterwegs. Da fiel uns 1994 die leerstehende Northeimer Feuerwache ins Auge. Der Standort in den Wallanlagen neben der alten Stadtkirche schien uns optimal. Wir überlegten, wie das Haus aussehen sollte. Aber unsere Vorstellungen wurden mit Skepsis betrachtet. Von „Wolkenkuckucksheim“ war die Rede oder „aufgeregter Architektur“. Die Denkmalpflege erhob Einwände wegen der Nähe zur denkmalgeschützten Kirche.

Nach vier Jahren Überzeugungsarbeit und harten Verhandlungen bekamen wir im Mai 1999 doch noch eine Finanzierung beisammen und konnten mit dem Umbau beginnen. Am 11.8.2001 haben wir mit einem rauschenden Fest die Eröffnung gefeiert. Wir haben seither unser Angebot stetig erweitert, 2014 noch einmal Werkstatträume angebaut. Die Vorstellungen, Kurse und Projekte werden gut angenommen – beziehungsweise wurden. Seit März 2020 sind wir ja durch die pandemiebedingten Schließungen extrem betroffen und wissen nicht, wie wir das Jahr überleben werden.

Text: Ruth Brockhausen

www.theater-der-nacht.de  – Theater der Nacht auf Facebook

Der Artikel erschien in der Zeitschrift SOZIOkultur zur Thema HÄUSER. Hier die Ausgabe zum Download.

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