21.07.2020
#LOCKNROLL, Zeitschrift SOZIOkultur

Meinung: Es geht um Menschen

Von:  Berthold Seliger

In der Corona-Krise brechen Verteilungskämpfe auf, deren Ausmaß zwar vorstellbar, aber im Detail und in der Dimension noch nicht absehbar ist. Wir erleben eine Verschärfung und Zuspitzung gesellschaftlicher Probleme, die Strukturen sozialer Ungleichheit verfestigen sich. In Ländern, in denen es soziologische Studien zu den Folgen der Corona-Krise gibt, lässt sich beobachten: Je enger beispielsweise die Wohnverhältnisse, desto höher der Anteil der COVID-19- Infektionen; je weniger die Menschen verdienen, desto höher ist der Ansteckungsgrad (siehe Schlachthöfe).

 

Wir erleben eine Verschärfung und Zuspitzung gesellschaftlicher Probleme, die Strukturen sozialer Ungleichheit verfestigen sich.

 

Geflüchtete, Obdachlose, Leiharbeiter*innen – diejenigen, die in prekären Wohn- und Arbeitsverhältnissen leben, infizieren sich häufiger, die Ärmsten stecken sich am ehesten an. Was aber hat das mit der Kulturszene zu tun? Hier lässt sich wie im Brennglas die Auseinanderentwicklung der Gesellschaft beobachten. Die Festangestellten erhalten weiter ihre Gehälter, wenn auch teilweise in Kurzarbeit. Dagegen haben die in den Medien euphemistisch als „frei“ bezeichneten Musiker*innen und Künstler*innen, aber auch all die Kulturarbeiter*innen, die im Hintergrund wirken und ohne die keine Kulturveranstaltungen stattfinden könnten (von Bühnenarbeiter*innen und Techniker*innen bis zu Securityleuten oder Roadies), aufgrund der Corona-Pandemie von einem Tag auf den anderen ihre Arbeitsgrundlage verloren. Und wann der Kulturbetrieb wieder (wenigstens einigermaßen) regulär arbeiten kann, ist nicht absehbar. Das Gros der „freien“, also selbstständigen Kulturschaffenden lebt prekär. Das Durchschnittseinkommen aller Musiker*innen hierzulande beträgt laut KSK gerade einmal 14.628 Euro pro Jahr. Und für die meisten gehen die Einnahmen in der Pandemie gegen Null.

 

Das Gros der „freien“, also selbstständigen Kulturschaffenden lebt prekär.

 

Einige Bundesländer haben mit einer Corona-Nothilfe entgegengewirkt, insbesondere das Land Berlin, das bereits im März eine Art bedingungsloser Grundsicherung in Höhe von 5.000 Euro zur Verfügung gestellt hat. Die Bundesregierung hat die Zeichen der Zeit dagegen leider nicht erkannt. Es hat viel zu lange gedauert, bis den freien Kulturschaffenden in den Institutionen wenigstens eine marginale Ausfallgage von „bis zu“ 60 Prozent bei Gagen unter und „bis zu“ 40 Prozent bei Gagen über 1.000 Euro zugesichert wurde. Rätselhaft, warum nicht einfach die Regeln für Kurzarbeit angewandt wurden. Offensichtlich sind der Bundesregierung die Opernsänger*innen, Schauspieler*innen und Musiker*innen weniger wert als die Angestellten in anderen Branchen.

Die Förderung von Solo-Selbstständigen und kleinen Betrieben durch die Bundesregierung leidet unter mangelhafter Konzeption: Betriebskosten werden bezuschusst, eine pauschalisierte Hilfe zu den Lebenshaltungskosten dagegen wird ausgeschlossen. Damit läuft die Hilfe ins Leere. Leider hat die Bundesregierung diesen Denk- und Baufehler auch bei ihrem Konjunkturpaket nicht beseitigt – dort finden sich durchaus einige sinnvolle Fördermaßnahmen für die kulturelle Infrastruktur, die auch Clubs und soziokulturellen Zentren zugutekommen werden und dazu beitragen können, kulturelle Institutionen abzusichern und durch die Krise zu bringen. Individuelle Hilfen für Kulturschaffende fehlen allerdings komplett – Hunderttausende freiberufliche und solo-selbständige Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen werden weiterhin in die Grundsicherung geschickt, in eine Art Künstler*innen-Hartz-IV. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Bundesregierung zwar an die kulturellen Institutionen denkt, weniger aber an die Menschen, die diese Institutionen erst mit Leben füllen und die kulturelle Vielfalt unserer Gesellschaft sichern.

 

Ein Meinungsbeitrag von Berthold Seliger aus der Zeitschrift SOZIOkultur 2/2020 

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05.03.2021
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RHEINLAND-PFALZ: KulturGießerei Saarburg

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Als die Glockengießerei Mabilon Ende 2002 ihre Produktion aus Altersgründen aufgeben musste, verblieb ein Gebäudekomplex von großer kulturhistorischer Bedeutung, der im denkmalgeschützten Altstadtbereich der Stadt Saarburg seit 1770 ansässig ist. Bis zu fünf Tonnen schwere Glocken fanden ihren Weg von hier aus quer durch Europa in die ganze Welt. Doch was sollte mit dem anerkannten Denkmal passieren?

Eine Nutzung als Museum und Veranstaltungsstätte lag nahe in einer Region, für die Kultur und Tourismus enorme Bedeutung haben. Mit weiteren Standbeinen im Bereich der sozialen Arbeit und der Bildung entwickelte der Trägerverein, KulturGießerei Saarburg – Lokales Bündnis für Familie e.V., ein soziokulturelles Gesamtkonzept. Es beruht auf einer kompletten inhaltlichen Vernetzung – ganz im Sinne des Leitbildes „Wir machen uns stark für Familien“ und ist auf Vielfalt, bürgerschaftliches Engagement und demokratisches Miteinander ausgerichtet. Der Erfolg beruht auf der hohen Identifikation der Menschen mit dem Ort, langem Atem, großer Akzeptanz auch bei Entscheidungsträgern sowie der Anbindung an kommunale Strukturen.

Text: Dr. Anette Barth
KulturGießerei in Saarburg heute. Foto © KulturGießerei

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Der Artikel erschien in der Zeitschrift SOZIOkultur zur Thema HÄUSER. Hier die Ausgabe zum Download.

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04.03.2021
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Projektmanagement / Sachbearbeitung und Veranstaltungsorganisation w / m / d bei BDAT e.V.

Bund Deutscher Amateurtheater e.V. (BDAT) sucht eine Person für Projektmanagement / Sachbearbeitung und Veranstaltungsorganisation (w / m / d) am Arbeitsort Berlin. Bewerbung bis bis spätestens 19. März 2021. Die Stelle wird als Vertretung für Mutterschutz und Elternzeit ausgeschrieben und ist bis voraussichtlich 30.09.2022 befristet. Bei Interesse kann für 2021 eine Aufstockung auf Vollzeit (39 h) durch Mitarbeit in einem anderen Projekt des BDAT erfolgen.
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03.03.2021
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Wir, Heiko und Ruth Brockhausen, waren mit dem Theater der Nacht seit 1988 als Tourneetheater unterwegs. Da fiel uns 1994 die leerstehende Northeimer Feuerwache ins Auge. Der Standort in den Wallanlagen neben der alten Stadtkirche schien uns optimal. Wir überlegten, wie das Haus aussehen sollte. Aber unsere Vorstellungen wurden mit Skepsis betrachtet. Von „Wolkenkuckucksheim“ war die Rede oder „aufgeregter Architektur“. Die Denkmalpflege erhob Einwände wegen der Nähe zur denkmalgeschützten Kirche.

Nach vier Jahren Überzeugungsarbeit und harten Verhandlungen bekamen wir im Mai 1999 doch noch eine Finanzierung beisammen und konnten mit dem Umbau beginnen. Am 11.8.2001 haben wir mit einem rauschenden Fest die Eröffnung gefeiert. Wir haben seither unser Angebot stetig erweitert, 2014 noch einmal Werkstatträume angebaut. Die Vorstellungen, Kurse und Projekte werden gut angenommen – beziehungsweise wurden. Seit März 2020 sind wir ja durch die pandemiebedingten Schließungen extrem betroffen und wissen nicht, wie wir das Jahr überleben werden.

Text: Ruth Brockhausen

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Der Artikel erschien in der Zeitschrift SOZIOkultur zur Thema HÄUSER. Hier die Ausgabe zum Download.

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01.03.2021
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Die Geschichte des Vereins Kunsthaus Strodehne e.V. begann zu DDR-Zeiten, als die Stadt Rhinow einer Gruppe junger Potsdamer Künstler*innen ein Haus in Strodehne im Havelland zur Verfügung stellte. Das erste „Sommerseminar für Bildende Künste“ fand 1988 statt. Erst 1991 wurde der Verein gegründet, der seinen Sitz in Potsdam hat, wo er auch das soziokulturelle Zentrum Waschhaus mit aufbaute.

Das Kunsthaus in Strodehne übernahm der Verein ab 2004 von der Stadt Rhinow langfristig in Erbbaupacht. In den 1990er Jahren war es mit viel Engagement der Vereinsmitglieder umfassend saniert und die Hofscheune zum Atelier umgebaut worden. Bis heute finden hier sowohl professionelle Künstler*innen als auch Kinder- und Jugendgruppen ideale Bedingungen für die künstlerische Produktion. Darüber hinaus hat der Verein einen Skulpturenpfad am Rande des umliegenden Naturschutzgebiets geschaffen, er veranstaltet seit 1995 eine Konzertreihe in der Strodehner Dorfkirche und ist Träger des Projekts „Schulhausroman“ in Brandenburg. Seine Arbeit leistet er fast ausschließlich ehrenamtlich.

Text: Michael Wegener

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Der Artikel erschien in der Zeitschrift SOZIOkultur zur Thema HÄUSER. Hier die Ausgabe zum Download.

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