27.04.2022

Kultur und Politik, Zeitschrift SOZIOkultur

Kunst und Demokratie sind die Säulen soziokultureller Arbeit

Grußwort der Kulturstaatsministerin Claudia Roth zum Amtsantritt

Der schwedische Schriftsteller August Strindberg schrieb einmal: „Die ganze Kultur ist eine große, endlose Zusammenarbeit.“ Der Bundesverband Soziokultur e.V. ist in diesem Sinne nicht nur ein enger Partner des Bundeskulturressorts. Er ist ein Pionier in Sachen kultureller Teilhabe und Diversität. Er ist die Anlaufstelle für die vom Ehrenamt geprägte Soziokultur, Drehscheibe für Vernetzung und Qualifizierung. In jüngster Vergangenheit hat er darüber hinaus gezeigt, wie professionell und effizient Fördermittel dorthin kommen können, wo sie gebraucht werden.

Seit mehr als 40 Jahren machen der Bundesverband Soziokultur e.V. und seine Mitglieder nun „Kultur für alle“ möglich. Kunst und Demokratie, das sind die beiden Säulen Ihrer Arbeit – einer Kulturarbeit, die ihre gesellschaftliche und politische Verantwortung ernst nimmt und in konkretes Handeln umsetzt. Die Akteurinnen und Akteure der Soziokultur prägen und gestalten gesellschaftspolitische Debatten mit den Mitteln der Künste. Ein Großteil dieser Arbeit wird ehrenamtlich erbracht. Trotzdem oder gerade deshalb werden Vielfalt und gesellschaftlicher Zusammenhalt nirgends selbstverständlicher gelebt als in der Soziokultur. Dafür möchte ich Ihnen Danke sagen!

Wie wichtig Ihre Arbeit ist, haben die mühseligen Zeiten der Pandemie wieder einmal gezeigt. Trotz Lockdowns und zahlreicher Einschränkungen haben Sie mit viel Kreativität und Phantasie „Kultur für alle“ ermöglicht, etwa mit Balkonkonzerten und Fassadenprojektionen, mit Ausstellungen in Schaufenstern und Malworkshops per Video. Gerade für Kinder und Jugendliche, denen die Schulen als Orte der Begegnung verschlossen waren, war dieses gemeinsame künstlerische Tun ein Lichtblick.

Wir alle wissen um die Kraft der Kunst, um ihre Bedeutung für die Entfaltung junger Menschen und um ihre prägende Rolle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ihre Arbeit kann deshalb nicht hoch genug geschätzt werden. Im direkten sozialen Umfeld, ob Stadtquartier oder ländlicher Raum, fördern Sie darüber hinaus Integration und Diversität, unterstützen Geflüchtete und generationenübergreifendes Arbeiten. Kulturelle Bildung ist ein Schlüsselfaktor der Integration, sie erschließt den Zugang zum gesellschaftlichen Leben. Wer in Kunst und Kultur kreativ wird, trägt dazu bei, unsere Demokratie mitzugestalten und lebendig zu erhalten. Soziokulturelle Zentren sind darüber hinaus vor allem in den ländlichen Räumen meist die einzigen Orte für Kultur und Kommunikation. Sie passen sich mit ihren kulturellen und partizipativen Angeboten den regionalen Bedarfen und Lebensverhältnissen an. Das ist gerade in strukturschwa-chen Gebieten ganz wichtig.

In meinem neuen Amt als Staatsministerin für Kultur und Medien will ich die vielen engagierten Akteurinnen und Akteure in den soziokulturellen Zentren und Kulturhäusern, in Verbands- und Projektarbeit, im Bundesverband Soziokultur e.V. und im Fonds Soziokultur deshalb noch mehr als bisher unterstützen. Für die neue Bundesregierung ist die Förderung der Freiheit und der Vielfalt von Kunst, Kultur und Medien zentral.

Es ist gut, den Bundesverband Soziokultur e.V. dabei an meiner Seite zu wissen. Er bündelt nicht nur die Mitgliedseinrichtungen, sondern steht als Partner der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien im Förderprogramm NEUSTART KULTUR mittlerweile in Kontakt mit mehr als 1600 soziokulturellen Zentren und Initiativen, Kultur- und Literaturhäusern, Kulturzentren und kulturellen Initiativen in den Städten und Gemeinden. Der Bedarf an Beratung, Qualifizierung und Vernetzung ist, ganz besonders seit 2020, enorm. lmpulsgebend und koordinierend ist der Verband ein zentraler Multiplikator, der diesen wichtigen Kulturbereich stabilisieren, professionalisieren und stärken kann.

Für Ihr großes Engagement danke ich dem Bundesverband Soziokultur e.V. und allen, die sich auf diesem Feld engagieren, sehr herzlich. Ich freue mich auf die weitere enge Zusammenarbeit zum Wohle der Menschen und der Kultur.

 

Dieses Grußwort ist erschienen in der SOZIOkultur Heft 1/2022 zum Thema OSTEN.

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