02.12.2019
#KOOPERATIONEN

Kooperation ist Fortschritt

Kooperation und Vernetzung ist ein alter Hut? Der Alltag der soziokulturellen Zentren erzählt genau das Gegenteil. Die Fähigkeit, Kooperationen einzugehen, sie zu erhalten und auszubauen, bringt alle beteiligten zu unerwarteten und tragfähigen Ergebnissen zum Wohl der Gemeinschaft.

Kooperation ist gelebter Alltag
Kooperationen mit anderen kulturell, künstlerisch, pädagogisch oder politisch tätigen Initiativen und Einrichtungen bis hin zu staatlichen Bildungseinrichtungen sind für soziokulturelle Zentren gelebter Alltag. Einerseits bildet die Vernetzung mit Kooperationspartner*innen die Grundlage zur Erweiterung des inhaltlichen Spektrums und zur Erschließung neuer Zielgruppen. Andererseits bieten in der schwierigen Situation geringerer Förderetats der öffentlichen Hand Kooperationen die Möglichkeit, die finanziellen, logistischen und personellen Herausforderungen mit Partnerorganisationen zu teilen. Kooperationen bieten die Möglichkeit, die Herausforderungen zu teilen.

Wer sind die Partner*innen?
Meist kooperieren die soziokulturellen Zentren mit anderen Kultureinrichtungen und -vereinen für die Konzipierung und Durchführung von Kultur- und Bildungsveranstaltungen, von offenen Werkstätten und zahlreichen Projekten. Schon an zweiter Stelle kommen zahlenmäßig die Städte, Gemeinden und Landkreise mit einem Anteil von 13,2 Prozent. Ohne die Schulen als wichtige Partner hinzuzurechnen, sind Bildungseinrichtungen wie Universitäten, Volkshochschulen und Institute ebenfalls für 8,2 Prozent der soziokulturellen Zentren unverzichtbar in ihrer täglichen Arbeit. Freischaffende Künstler*innen, politische Initiativen, Kirchengemeinden, Sozialeinrichtungen gehören ebenso zu den Kooperationspartner*innen wie die Medien, darunter auch Offene Kanäle und Bürgerradios, teilweise im eigenen Haus verortet. Vertreter*innen aus Wirtschaft und Industrie waren vor sieben Jahren mit 4,2 Prozent Anteil auch schon Kooperationspartner der soziokulturellen Zentren, die Zusammenarbeit mit diesem Bereich und auch mit Stiftungen nahm jedoch erst in den letzten Jahren wahrnehmbar zu.

Vorbehalte abbauen
Beiderseitige Vorbehalte mussten zunächst abgebaut werden. Auf der einen Seite wurden die soziokulturellen Zentren lange Zeit als unprofessionelle Nischenkultur bewertet, auf der anderen Seite wollte die soziokulturelle Szene nichts mit profitorientierten Unternehmen zu tun haben, die vermeintlich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht nachkommen. Sowohl die Zentren als auch die Unternehmen haben sich verändert, was ihre Einstellung, ihre gegenseitige Offenheit und ihren Mut zu gemeinsamen Experimenten betrifft. Begriffe wie Corporate Social Responsibility und Privat Public Partnership sind inzwischen geläufig und werden zunehmend befüllt mit innovativen und nachhaltigen Konzepten. Zentren und Unternehmen haben sich ihrer Offenheit und ihrem Mut zu Experimenten verändert.

UTOPOLIS zielt auf Kooperation
Auch das Modellprojekt „UTOPOLIS – Soziokultur im Quartier“ zielt beispielhaft im Sinne der nachhaltigen Kulturarbeit auf die Ausweitung von Vernetzung und Kooperationsbeziehungen der Zentren. In erster Linie soll die kulturelle Angebotsstruktur im Stadtteil verbessert werden. Ein zweites Hauptanliegen der gemeinsamen Förderung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und des Bundesministeriums des Innern für Bau und Heimat ist die Verstetigung der Projektaktivitäten. Vor dem Hintergrund einschlägiger Erfahrungen sind unsere UTOPOLIS-Akteure also beauftragt, dafür kreative Ideen zu entwickeln und immer wieder neue Wege zu beschreiten. Schon jetzt ist zu beobachten, dass sich UTOPOLIS-Akteure vollständig mit den ortsansässigen Einrichtungen und Initiativen vernetzt haben, dass sich die Leute inzwischen gut kennen. Die Kolleg*innen in den Zentren klinken sich zudem in Gremiensitzungen der Kommunen und Städte ein und suchen sehr ausdauernd die Gespräche mit den Vertreter*innen der Politik und Verwaltung. Insbesondere richten die UTOPOLIS-Akteure seit Anbeginn auch ihr Augenmerk auf finanzkräftige Kooperationspartner und sind dabei erstaunlich erfolgreich. Es ist wichtig, auch mit diesem weniger bekannten Bereich der Wirtschaft gut ins Gespräch zu kommen, Angebote seitens der Unternehmen und Stiftungen wahrzunehmen und zündende Vorhaben gemeinsam ins Leben zu rufen. Potenzielle Partner*innen signalisieren ernsthaftes Interesse an langfristiger Kooperation.

Beiderseitiges Interesse
Besonders erfreulich ist, dass potenzielle Partnerorganisationen auch selbst auf unsere UTOPOLIS-Akteure zugekommen sind und ernsthaftes Interesse an einer langfristigen Mitwirkung signalisierten. Sie haben erkannt, dass soziokulturelle Zentren auf Grund ihrer selbst geschaffenen Strukturen mit einem hohen Vernetzungsgrad, ihrer Auffassung von Kultur, ihrer partizipativen Arbeits- und Wirkungsweisen und ihrer umfassenden Erfahrungen im Sozialraum sehr gut geeignet sind, Entwicklungsprozesse anzustoßen, langfristig mit dem nötigen Knowhow zu unterstützen und gleichzeitig selbst auf vielfältige und vielschichtige Art und Weise aktiv zu werden. Zusammen mit geeigneten Partner* innen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen setzten sie den Rahmen für spannende kulturelle Aktionen, Programme, Veranstaltungsreihen und künstlerische Produktionen.

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