09.08.2019
Aktuelles

Geteiltes Wissen

Von:  Michael Weidinger

Frischer Wind mit CoKultur für die alte Dame Soziokultur im Süden der Republik. Noch bis Ende 2020 läuft in Bayern das Projekt, bei dem eine beachtenswerte Kulturpraxis eingeübt und angewandt werden soll.

Ausgangspunkt unseres Projekts CoKultur ist der Begriff „Commons“. Darunter verstehen wir gemeinschaftlich genutzte Ressourcen, einerseits materielle, aber vor allem immaterielle. Commoning ist eine alltägliche Praxis, die uns allen relativ bekannt sein dürfte, zum Beispiel nutzen wir sie im Internet auf Portalen wie Wikipedia, oder wenn wir jemanden nach einem guten Rezept fragen. „Commons“ sind dabei Leute, die aktiv bestimmte Inhalte miteinander teilen, weiterentwickeln und für sich selber nutzen. Dieses Prinzip zeichnet sich durch Offenheit und Hilfsbereitschaft aus: Man behält sein Wissen, seine Erfahrungen, seine Kompetenzen und seine guten Ideen nicht für sich, sondern stellt sie anderen zur Verfügung. Augenscheinlich passt das alles sehr gut zur Soziokultur, womit wir dann bei CoKultur wären.

 

Man behält sein Wissen, seine Erfahrungen, seine Kompetenzen und seine guten Ideen nicht für sich!

 

Wir möchten soziokulturelle Akteure in ihrer Arbeit unterstützen, sie miteinander vernetzen und zum gegenseitigen Wissensaustausch befähigen. Oftmals stehen wir alle in der Kulturarbeit vor ähnlichen Problemen, haben die gleichen Fragen oder möchten uns von Gleichgesinnten inspirieren lassen. Gerade ein Flächenland wie Bayern verlangt da nach dezentralen und überörtlichen Angeboten. Das CoKultur-Projekt ist daher in vier Bausteine aufgeteilt:

 

  • CoKulturTour
    Bei rund zwölf bayernweiten Workshops erlernen die Teilnehmer*innen vor Ort das „Commonsprinzip“ und wie sie es für sich nutzen können. Dabei werden ihnen Lösungsmuster an die Hand gegeben und eigene Ressourcen aufgezeigt.

 

  • CoKulturKoffer
    Der Koffer ist ein Tool, mit dem sich die lokalen Gruppen selbstständig und spielerisch in der CoKultur ausprobieren können. Die insgesamt fünf Koffer werden von Ort zu Ort weitergeben und mit Erfahrungen und Materialien gefüllt.

 

  • CoKulturWiki
    Das Wiki ist eine kollaborative Datenbank im Internet, auf der Tipps und Anleitungen eingestellt und gelesen werden können.

 

  • CoKulturTreff
    Im Anschluss an die CoKulturTour soll ein regelmäßiges Treffen die Ergebnisse und Strukturen verstetigen und weitere Aktionen anstoßen.

 

Unsere Hoffnung ist es, dass die alte Dame Soziokultur – die zwar auch in Bayern beheimatet ist, doch gerade hier auf schwachen Füßen steht – frischen Wind bekommt. Noch immer erhalten wir als Landesverband keine institutionelle Förderung. Die CoKultur empfinden wir daher als ein selbstbewusstes Lebenszeichen. Seit Anbeginn der soziokulturellen Bewegung gibt es hier Initiativen im urbanen wie im ländlichen Raum, die trotz aller Umstände wunderbare Arbeit leisten. Mit der CoKultur sollen sie sichtbarer werden, sich gegenseitig besser kennenlernen und untereinander austauschen.

Hilfe zur Selbsthilfe
Da wir als ehrenamtliche Landesarbeitsgemeinschaft nur sehr begrenzt Hilfestellung und Unterstützung leisten können, verordnen wir der bayerischen Soziokultur eben eine Hilfe zur Selbsthilfe. Und auch wenn die Bayern scheinbar nur ungern Rat von außen annehmen, darf das CoKulturWiki gerne auch von jenseits der bayerischen Grenzen gefüllt werden! Das Projekt CoKultur wird gefördert vom Fonds Soziokultur und dem Kulturfonds Bayern.

 

www.cokulturwiki.de

www.soziokultur-bayern.de

 

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06.03.2021
Zeitschrift SOZIOkultur

MECKLENBURG-VORPOMMERN: St. Spiritus, Greifswald

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Das soziokulturelle Zentrum St. Spiritus wurde 1990 gegründet. Das Gebäude wurde bereits zu DDR-Zeiten für Kulturarbeit genutzt und nach der Wende zum soziokulturellen Zentrum in städtischer Trägerschaft umfunktioniert. Für das bauliche Ensemble war diese Nutzung die Rettung. Der Gebäudekomplex – seit dem Mittelalter Hospital und Wohnstatt für Alte und Kranke – besteht aus einem Innenhof mit mittelalterlicher Budenbebauung, einem zweistöckigen Haus aus dem Jahr 1740 auf mittelalterlichen Grundmauern und einem ehemaligen Kirchenbau mit Ursprüngen aus dem 13. Jahrhundert. Von 2000 bis 2008 wurden die Gebäudeteile durch die Stadt mithilfe von Fördermitteln saniert. Es war ein Spagat, Denkmalpflege und die Nutzung als Veranstaltungsort in Einklang zu bringen, der aber sehr gut gelang. Nun wird die ehemalige Kapelle als Veranstaltungssaal genutzt, in den Hofbuden sind künstlerische Werkstätten untergebracht, der Lagerboden wurde Ausstellungsraum. Gerade die wunderschönen historischen Details machen den besonderen Charme des Ortes aus.

Text: Imke Freiberg

www.kulturzentrum.greifswald.deSt.Spiritus auf Facebook

Der Artikel erschien in der Zeitschrift SOZIOkultur zur Thema HÄUSER. Hier die Ausgabe zum Download.

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05.03.2021
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Text: Dr. Anette Barth
KulturGießerei in Saarburg heute. Foto © KulturGießerei

www.kulturgiesserei-saarburg.deKulturgießerei auf Facebook

Der Artikel erschien in der Zeitschrift SOZIOkultur zur Thema HÄUSER. Hier die Ausgabe zum Download.

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04.03.2021
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Projektmanagement / Sachbearbeitung und Veranstaltungsorganisation w / m / d bei BDAT e.V.

Bund Deutscher Amateurtheater e.V. (BDAT) sucht eine Person für Projektmanagement / Sachbearbeitung und Veranstaltungsorganisation (w / m / d) am Arbeitsort Berlin. Bewerbung bis bis spätestens 19. März 2021. Die Stelle wird als Vertretung für Mutterschutz und Elternzeit ausgeschrieben und ist bis voraussichtlich 30.09.2022 befristet. Bei Interesse kann für 2021 eine Aufstockung auf Vollzeit (39 h) durch Mitarbeit in einem anderen Projekt des BDAT erfolgen.
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03.03.2021
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Nach vier Jahren Überzeugungsarbeit und harten Verhandlungen bekamen wir im Mai 1999 doch noch eine Finanzierung beisammen und konnten mit dem Umbau beginnen. Am 11.8.2001 haben wir mit einem rauschenden Fest die Eröffnung gefeiert. Wir haben seither unser Angebot stetig erweitert, 2014 noch einmal Werkstatträume angebaut. Die Vorstellungen, Kurse und Projekte werden gut angenommen – beziehungsweise wurden. Seit März 2020 sind wir ja durch die pandemiebedingten Schließungen extrem betroffen und wissen nicht, wie wir das Jahr überleben werden.

Text: Ruth Brockhausen

www.theater-der-nacht.de  – Theater der Nacht auf Facebook

Der Artikel erschien in der Zeitschrift SOZIOkultur zur Thema HÄUSER. Hier die Ausgabe zum Download.

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