Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2000

Medienpädagogik und soziokulturelle Unterschiede

Eine Studie zur Förderung der aktiven Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen aus bildungsmäßig und sozial benachteiligten Verhältnissen | Von Prof. Dr. Horst Niesyto, Professor für Erziehungswissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg

Im Unterschied zu den 70er und 80er Jahren gibt es heute nur wenige Einrichtungen, die einen deutlichen Schwerpunkt auf medienpädagogische Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen aus bildungsmäßig und sozial benachteiligten Verhältnissen legen. Dies hat vielfältige Gründe. Soziale Schichtgrenzen sind druchlässiger geworden. "Kindheit" und "Jugend" hat sich in vielfältige Szenen ausdifferenziert. Medien spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie dienen nicht allein der Information und Unterhaltung, sondern geben Orientierungshilfen für die eigene Lebensführung. Fragen des Geschmacks, des Ausdrucks werden immer wichtiger, um eigene "Duftmarken" zu setzen und sich von anderen zu unterscheiden. Im Jugendvideobereich zeigte sich dieser Wandel z.B. in dem weitgehenden Abschied von jugendpolitisch motivierten Produktionen hin zu mehr clip-ästhetisch aufgeladenen Ausdrucksvideos.
 
Soziale und bildungsmäßige Unterschiede existieren jedoch weiterhin. Die "Schwerkraft" des Sozialen geht nicht einfach in der Welt des Ästhetischen auf. In der sog. Postmoderne und der scheinbar grenzenlosen Individualisierung scheint dies in Vergessenheit zu geraten. Bildungsmäßige und soziale Unterschiede verschwinden nicht im Ozean von individuellen Wahlmöglichkeiten. Die Bedingungen, unter denen Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft aufwachsen, sind nach wie vor unterschiedlich. Und unterschiedlich sind auch die Formen, in denen sich Kinder und Jugendliche die Welt sozial und ästhetisch aneignen. Es ist hinreichen bekannt, dass z.B. spezifische Bildungsniveaus, soziale Lebenslagen und sozialräumliche Kontexte nachhaltig die jeweiligen Mediennutzungsformen beeinflussen. (Aus der Einleitung)
 
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