1. Mitgliederversammlung der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren

9. Mai 2012,  Bremen

"Einen besseren Ort für meine erste Begegnung mit der Bundesvereinigung Sozikultureller Zentren hätte es nicht geben können. Wie kaum ein anderes Kulturzentrum der Region ist der Bremer Schlachthof für mich persönlich der Ort an dem ich Soziokultur erstmals bewusst erlebt habe: Ob als Teenager vor der Bühne, als Musiker auf der Bühne oder als Veranstalter hinter der Bühne durfte und darf ich hier spüren, dass gelebte Soziokultur viel mehr ist als nur ein Wort – Soziokulturelle Zentren machen Kultur überhaupt erst erfahrbar! Ohne erhobenen Zeigefinger kann sich hier jeder selbst kreativ und konstruktiv einbringen und ist nicht mehr nur reine Kultur-KonsumentIn.

Trotz aller Formalien und gefühlter Längen, die jede Vereinssitzung mit sich bringt, war dieser Gedanke für mich auch auf der Mitgliederversammlung spürbar. Bereits in dem einleitenden Bericht aus der Geschäftsstelle wurde deutlich, dass aktuell Vieles im Umbruch ist. Die Kultur im Allgemeinen und die Soziokultur im Speziellen sind auf der Suche nach einem neuen Selbstverständnis, Stärken und Schwächen werden ausgelotet und neue Aufgaben sowie Zielsetzungen gesucht und gefunden. Spannend ist in diesem Zusammenhang zum Beispiel die Gründung von „SaatGut“, einem Projekt, in dem VertreterInnen unterschiedlichster Einrichtungen aktiv ein Konzept „zur Implementierung von strategischem Fundraising“ in der Soziokultur erarbeiten. „SaatGut“ wird helfen die Scheu abzulegen neue Wege zur finanziellen Sicherung unserer Arbeit zu gehen – jetzt, wo die klassischen Kanäle immer mehr versiegen.

Als wichtig und inspirierend empfand ich auch das Plädoyer für die aktive Teilnahme am „Bündnis für Bildung“, mit dem das Bundesministerium für Bildung und Forschung „die außerschulischen Angebote der kulturellen Bildung auf lokaler Ebene“ fördern möchte. Sicher eine Chance für die Soziokultur zu zeigen, dass sie in diesem Bereich nicht nur eine wichtige Funktion besitzt sondern vielleicht sogar die Schlüsselrolle einnimmt.

So vielfältig sich die Mitgliedseinrichtungen präsentieren so unterschiedlich sind natürlich auch Interessens-Schwerpunkte während der Sitzung. Als Programmplaner wurde ich hellhörig bei dem Dauerbrenner GEMA. Wie allseits bekannt, stehen 2013 vor allem für die Party- und Disco-Veranstalter unter uns drastische Tariferhöhungen ins Haus. Unabhängig vom Inhalt zeigte mir dieser Gremienbericht einmal mehr die Notwendigkeit einer Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren. Denn erst durch die Bündelung bekommen unsere Stimmen ein Gewicht gegenüber „allmächtig“ auftretenden Verbänden wie der GEMA.

Es gäbe sicher zahlreiche weitere Punkte der Tagesordnung, die schon während der Sitzung Kontroversen auslösten, einfach interessant waren oder diskussionswürdig. Ganz grundlegend nehme ich aus Mitgliederversammlung aber mit, dass es in der aktuellen Situation immer wichtiger wird die Stellung und Vorreiterrolle von Soziokultur herauszuarbeiten. Generationenwechsel, Kulturinfarkt, Kreativwirtschaft, Inklusion, Fundraising, Globalisierung und Digitalisierung – statt sich von großen Begriffen und Schlagwörtern einschüchtern zu lassen, sollte Soziokultur Stellung beziehen – und zwar mit erhobenem Haupt: Schließlich sind unsere Einrichtungen häufig der Nährboden auf dem sich die großen gesellschaftlichen und kulturpolitischen Themen überhaupt erst entwickeln. "

 

Bericht von MALTE PRIESER, kulturbüro bremen nord, über seine Eindrücke von der Mitgliederversammlung (verfasst für die Zeitschrift "soziokultur" 2-12):

Die 1. Mitgliederversammlung 2012 der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. fand am Mittwoch, dem 9. Mai 2012, von 10 bis 16 Uhr im Kulturzentrum Schlachthof e.V. in Bremen statt. Die Tagesordnung finden Sie hier.