7.3.2012

Bildung in der Soziokultur - Verständnis und Wege

Soziokultur ermöglicht einem breiten Bevölkerungsspektrum, selbst kreativ zu werden, kulturelle Angebote zu organisieren und künstlerische Darbietungen unterschiedlicher Genres zu erleben. Soziokulturelle Akteure sehen darin eine Möglichkeit, die persönliche Entwicklung und Orientierung eines jeden Menschen zur Sinnsuche und Verarbeitung der gesellschaftlichen Umbrüche zu fördern. Bildung wird in der Soziokultur nicht nur als Anhäufung von Fachwissen, sondern ganzheitlich begriffen. Die Kultur- und Kommunikationszentren greifen Anlässe für Debatten über Kunst, Kultur und Fragen des Zusammenlebens auf, schaffen Möglichkeiten der Begegnung und der Auseinandersetzung darüber mit künstlerischen Mitteln.

Für die kulturelle Bildung und diskursive Beschäftigung mit Grundfragen der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung stellt die Soziokultur Räume bereit. „Drehscheibe und Netzwerk für Gruppen, Vereine, Initiativen zu sein und deren Arbeit durch die Bereitstellung von Infrastruktur zu unterstützen, ist eine unserer Hauptaufgaben“, so die Aussage einer Einrichtung, die damit für viele ausdrückt, was wichtiger Inhalt der Arbeit ist. In einigen Häusern liegt der Schwerpunkt auf der Vermittlung von künstlerischen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Dabei geht es auch darum, ein generelles Verständnis für Kunst und Kultur zu wecken und ihren Stellenwert in der Gesellschaft zu thematisieren. In anderen Häusern wiederum geht es überwiegend um Persönlichkeitsbildung, politische Themen und Weiterbildung im weitesten Sinne.

14.000 kontinuierliche Bildungsangebote pro Woche wurden 2009 in den Mitgliedseinrichtungen der Bundesvereinigung durchgeführt. Sie wurden über 9 Millionen Male von Menschen jeden Alters genutzt. JedeR fünfte hat Migrationshintergrund. Ein Viertel der NutzerInnen ist jünger als 21 Jahre. Das inhaltliche Spektrum der soziokulturellen Angebote umfasst:
 
  • Programm- und Veranstaltungsarbeit (Theater, Kabarett, Musik, Ausstellungen, Lesungen, Kino, Tanz)
  • Bildungsarbeit und politischen Arbeit (Seminare, Workshops, Gestaltung von Bildungsurlauben, Diskussionsveranstaltungen, Sprachkurse)
  • Stadtteilarbeit (Stadtteil-Zeitung, Stadtteilfeste, stadtentwicklungspolitische Initiativen, Zusammenarbeit mit BürgerInnen-Initiativen, Vereinen und Schulen, Führungen)
  • Kinder- und Jugendarbeit (Kinderläden, offener Bereich, Hausaufgabenhilfe, Kreativkurse, Gestaltung von Ferienfreizeiten, Berufsvorbereitung und –ausbildung)
  • interkulturelle Arbeit (Beratung, offene Treffs, Projekte)
  • Arbeit mit SeniorInnen und mit weiteren Zielgruppen (Kreativkurse, Gesundheitsvorsorge, Geschichtswerkstätten, Buchausleihe, Tanz).
Die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. ist mit ihren fast 500 Mitgliedseinrichtungen aktiv, um für alle Mitglieder der Gesellschaft gleiche Bildungschancen zu ermöglichen. Lokale und regionale Bündnisse mit thematischen Schwerpunkten sind seit langem eine erfolgreiche Methode. Soziokulturelle Zentren sind dafür mit Institutionen und Initiativen aus dem Kultur-, Bildungs- und Sozialbereich vernetzt. Wir freuen uns, diesen Weg auf Bundesebene zu intensivieren und werden alle uns zur Verfügung stehenden Mittel und Kompetenzen in die „Allianz für Bildung“ einbringen.
 
Margret Staal
- Vorstandsvorsitzende -