Aus den Ländern / Hamburg, 28.11.2011

Infrastruktur der Stadtteilkultur-Häuser gefährdet

STADTKULTUR HAMBURG e.V. begrüßt erste Schritte des Hamburger Senates zur Rettung der Stadtteilkultur-Häuser. Der Dachverband für lokale Kultur und kulturelle Bidlung begrüßt die Initiative der Bürgerschaftsfraktion der SPD, 1 Million Euro für den Betrieb der Stadtteilkultur-Häuser zu beantragen. Dies kann jedoch nur ein erster Schritt sein, denn über 100 Stellen fallen in den nächsten Monaten weg.

 
„Stadtteilkultur steht heute für die Teilhabe und Gestaltung aller Menschen an einer modernen, internationalen Stadtgesellschaft. Lokale Zugänge zur Kultur fördern die Bildungsgerechtigkeit und erschließen bisher ungesehene Potenziale, die für die Zukunftsgestaltung unserer Stadt unverzichtbar sind. Die Stadt sollte diesem zukunftsweisenden Bereich der Kulturförderung auch in Ihrer Förderung eine wesentlich höhere Bedeutung zumessen“.
(Dörte Inselmann, Vorsitzende von STADTKULTUR HAMBURG)
 

Finanzierungsloch von 2,5 Millionen Euro gefährdet Infrastruktur der kulturellen Teilhabe
Von dem Wegfall von 2.000 1-Euro-Stellen, 55+-Stellen und §16e SGBII-Stellen ab 2012 sind über 100 Stellen bei den Häusern der Stadtteilkultur betroffen (Kulturzentren, Bürgerhäuser, Geschichtswerkstätten), obwohl diese ein motivierendes Arbeitsumfeld mit einem hohen Qualifizierungsanteil und guter Erfolgsquote bieten. Seit Einführung der Maßnahmen konnten 27 Personen nach ihrer Tätigkeit wieder in Beschäftigungsverhältnisse des ersten Arbeitsmarktes vermittelt werden. Der Wegfall dieser Stellen ab 1. Januar 2012 gefährdet den laufenden Betrieb und die inhaltliche Arbeit der Kultureinrichtungen der Stadtteilkultur akut und bedroht darüber hinaus ihre Existenz durch ein entstehendes Finanzierungsloch von rund 2,5 Millionen Euro. Eine Kompensation dieser Stellen ist für die Häuser schlicht nicht finanzierbar. Die Finanzspritze des Senates reduziert die Finanzierungslücke nur um 1 Millionen Euro, weiterhin bleiben 1,5 Millionen Euro ungedeckt.
 
Warum mehr Stadtteilkultur? Kulturelle Teilhabe für eine moderne, internationale Stadtgesellschaft ermöglichen
Durch eine umfassende Evaluation wurde festgestellt, dass die Institutionen der Hamburger Stadtteilkultur Impulsgeber für Innovation und Stadtentwicklungsprozesse sind, mit Angeboten der kulturellen Bildung alle Zielgruppen erreichen und an Effizienz kaum zu überbieten sind. Außerdem gelingt es ihnen, die gesellschaftliche Verantwortung für kulturelle Förderung von Kindern, Jugendlichen und Menschen aller Nationalitäten auf eine breite Basis zu stellen. Die Stadtteilkultur schafft es heute, Hamburgs ungesehene Potenziale zu erschließen und neue kreative Milieus zu identifizieren und zu entwickeln.
 
Modellhafte Innovationsförderung für Bildungsgerechtigkeit durch Kultur
Gerade die Stadtteilkultur hat im Bereich Kulturelle Bildung in den einzelnen Quartieren und Stadtteilen einen Erstzugang zu der dort anzutreffenden kulturellen Vielfalt und Internationalität. Die vielgestaltigen Häuser erarbeiten für diesen Zweck maßgeschneiderte neue Systeme und Zugänge, die Bildungsgerechtigkeit schaffen. Unser Bildungssystem muss auch von Qualifizierungsstrukturen anderer Kulturen profitieren und sich mit diesen verbinden. Dafür bedarf es der Förderung innovativer Projekte an den Schnittstellen »Schulentwicklung durch Kultur« und »Stadtteilentwicklung durch Kultur«.
 
Hamburg benötigt mehr Infrastruktur und Programmangebote in Randgebieten für die Übersetzung einer „Internationale Stadtgesellschaft“
Auf dem Weg in eine internationale Stadtgesellschaft sind es gerade lokale Kultureinrichtungen, die durch kulturelle Partizipationsangebote Verbindungen zu migrantischen Netzwerken herstellen und Menschen jeden Alters (Frei-)Räume für Kultur und Engagement bieten. Der oben beschriebene Wegfall von Stellen stellt gerade in Randbezirken eine drastische Einschränkung bestehender Strukturen dar. Dies ist nicht tragbar. Im Gegenteil: Die Stadtteilkultur benötigt eine Stärkung ihrer Infrastruktur, um ihren wichtigen Beitrag für die Hamburger Kulturlandschaft auf breiter Ebene zu optimieren und zu organisieren. In Anlehnung an das Rahmenprogramm Kinder- und Jugendkultur als Bestandteil des Leitbildes des Regierungsprogramms, wäre die Erarbeitung eines Rahmenprogramms „Internationale Stadtgesellschaft“ wichtig und angebracht.
 
Einen Zehner für jeden Hamburger!
„Die Stadt wäre gut beraten, perspektivisch die Stadtteilkultur mit 10 Euro pro Einwohner zu bezuschussen. Stadtkulturinstitutionen sind äußerst attraktive Partner, da sie monetär mit mehr als 40% den staatlichen Zuschuss durch Eigeneinnahmen aufstocken und zudem sehr viel ehrenamtliches Engagement und vielfältige Kulturgruppen einbeziehen“ (Dörte Inselmann, Vorsitzende von STADTKULTUR HAMBURG).