Aus den Ländern / NW, 17.10.2011

Die LAG NW startet mit der „Neidkampagne 2011“!

Plakat_Neidkampagne

Die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen e.V. (LAG NW), der Zusammenschluss von 66 soziokulturellen Zentren und Initiativen in freier Trägerschaft in Nordrhein-Westfalen - von Jülich bis Emsdetten und von Siegen bis Minden -, startet mit der „Neidkampagne 2011“. Eingebunden ist die „Neidkampagne“ in die bundesweiten Aktionen zum Tag der Soziokultur. 

 
Soziokulturelle Angebote werden „Mainstreaming“
Die Geschichte der soziokulturellen Arbeit und Einrichtungen ist fast vierzig Jahre alt. Sie ist eine Erfolgsgeschichte, was die Zahl der Einrichtungen und der Aktiven – Hauptamtliche und vor allem Ehrenamtliche – betrifft. Und sie ist eine Erfolgsgeschichte, was den Umfang, die Qualität und die Vielfalt der Angebote ausmacht. Die Soziokultur wird mittlerweile gesellschaftlich und kulturpolitisch akzeptiert. Inhalte und Formate (spartenübergreifende Angebote, Interkultur, Poetry Slam, Nachwuchsarbeit, zielgruppenorientierte Angebote) wurden fast „Mainstreaming“ und auch von anderen Kultureinrichtungen übernommen.
 

Zahlen, Daten, Fakten!
In den soziokulturellen Zentren von Nordrhein-Westfalen finden mehr als 13.500 Veranstaltungen pro Jahr statt. Dazu kommen fast 2.400 kontinuierliche Angebote. Mehr als 5 Millionen Mal wurden die Veranstaltungen und Angebote der Kulturzentren besucht. JedeR fünfte BesucherIn ist unter 20 Jahre alt. Ermöglicht wird das durch die Arbeit von 450 Vollzeit- und Teilzeitkräften sowie von 1.900 ehrenamtlich Engagierten. 200 junge Menschen arbeiten als Auszubildende, im Freiwilligen Sozialen Jahr, als Zivildienstleistende oder als PraktikantInnen. Hinzu kommen 380 geringfügig Beschäftigte und 1.000 Honorarkräfte. Knapp 11 % der Gesamtzahl der Festangestellten sind Menschen mit Migrationshintergrund.

Ungleichgewicht bei der Förderung!
Diese gesellschaftlichen Beiträge schlagen sich jedoch nach wie vor nicht in der finanziellen Ausstattung durch Zuschüsse aus den öffentlichen Haushalten nieder. 75% der befragten Zentren hatten in der Vergangenheit und haben gegenwärtig finanzielle Schwierigkeiten. Die Förderung und Unterstützung der Zentren steht in keinem Verhältnis zur anerkannten Arbeit und Akzeptanz der Zentren. Einige Zahlen: Die Landesförderung für die kommunalen Theater betragen ca. 15 Mio. und die Soziokulturellen Zentren bekommen ca. 0,5 Mio. aus dem Landeskulturetat. Die Zentren verzeichnen ca. 5 Mio. Besuche, die Stadttheater und Orchester haben ca. 4 Mio. ZuschauerInnen. Die jeweilige kommunale Förderung verstärkt dieses Verhältnis. Tariferhöhungen der kommunalen Bediensteten oder Defizite im jeweiligen Haushalt werden in der Regel übernommen, während für die Zentren das meistens Fremdworte sind.

Seit Beginn der Arbeit der Zentren machen sie Öffentlichkeitsarbeit, stellen ihre Arbeit da und präsentieren immer wieder ihre Leistungen, insbesondere bei Politik und Verwaltung. In einigen Städten sind die Zentren stark in den Medien präsent, in anderen Städten höchstens Lückenbüßer. Das jeweilige Theater oder andere Großeinrichtungen sind dagegen häufig oder fast nur im Blickfeld. Der Sport sowieso. Auf Landesebene ist das ähnlich, auch wenn sich einiges bewegt. Bei Politik und Verwaltung ist diese unterschiedliche Sichtweisen noch oft vorzufinden. Der gleichberechtigte Förderzugang und eine entsprechende Wertschätzung der verschiedenen Kulturangebote sind nur bedingt vorhanden.

Die besondere Aufmerksamkeit entsteht nur, wenn wir was ganz besonderes zu berichten haben oder etwas skandalisiert wird. Oder man zu einer „systemrelevanten“ Einrichtung wird. Unser Aufruf „Wir machen den Scheiß nicht mehr mit“ im Frühjahr letzten Jahres (siehe: www.soziokultur-nrw.de/?id=1266247931) hat einiges verdeutlicht. Nicht nur wegen der vielen Unterschriften, sondern zum einen wegen des provokanten Titels und der Irritation, dass dies ein Aufruf von OB`s, KämmerInnen und Kulturschaffenden sei, wobei kaum einer von ihnen unterschrieben hatte. Der Inhalt dieses Aufrufes wurde breit diskutiert und das war uns wichtig.

Warum so eine Kampagne?
Ein weiteres Motiv für diese Kampagne war, dass wir immer auf vielen Ebenen gewarnt wurden, eine „Neiddebatte“ zu führen. Und auch nicht Soziales oder Jugend gegen Kultur ausspielen sollten. In der Kultur würden alle im gleichen Boot sitzen. Aber das ist nicht so. Manche sitzen in der Titanic, andere im Schlauchboot. Um das deutlich zu machen, sagen wir: „Wir führen die Neiddebatte!“

Rainer Bode, Geschäftsführer der LAG NW: „ Nach jahrelangen positiven Entwicklungen der soziokulturellen Zentren in den Städten und im Land erwarten wir eigentlich, das die Soziokultur auf Augenhöhe, gleichberechtigt gesehen wird und die Förderungerechtigkeit beseitigt wird. Gerade auch im Hinblick der Debatte um das neue Kulturgesetz in NRW ist das zwingend notwendig.“

Und worin besteht die Neidkampagne?
Durch Plakate, die nicht nur in vielen Zentren der LAG NW hängen. Durch Postkarten, die an Politik und Verwaltung geschickt werden. Durch Veranstaltungen und Diskussionen, die vor Ort passieren Und durch die Gespräche, die die Zentren mit der Politik und Verwaltung in Ihrer Kommune führen.
Und daraus folgt dann sicherlich noch mehr.

Materialien zur Kampagne sind hier zu finden und zum Download bereit:
http://inhalt.soziokultur-nrw.de/neidkampagne/

Rainer Bode
Geschäftsführer der LAG NW