Workshop „Fundraising für soziokulturelle Vereine - erste Grundlagen“

9. November 2010,  Essen

Fundraising. Eine ungefähre Vorstellung davon hatte zwar jeder der etwa
20 Leute, die am Workshop der Bundesvereinigung im Essener Kulturzentrum
GREND teilnahmen. Doch dass etliches von dem, was wir täglich tun, uns
schon selbst zu Fundraisern macht, war uns bis dato doch nicht bewusst. „Fund“ und „raise“ – das ist weit mehr als „Kapital“ zu „beschaffen“ und im Laufe des ganztägigen Workshops wurde jedem klar, wie komplex und vielschichtig die Mittelaquise mit dem gesamten Betrieb, in unserem Falle einer Kultureinrichtung, verwoben ist.

Wiebke Doktor begann ihre Laufbahn selbst in einem soziokulturellen Zentrum. Und dessen finanzielle Probleme waren denn auch der Auslöser für ihren eigenen beruflichen Werdegang. Heute ist sie selbstständige Fundraiserin und betreut mit ihrer Agentur Fundamente sowohl Non-Profit-Organisationen als auch Unternehmen und Selbstständige. Mit viel Verständnis für die spezifischen Probleme von Kultureinrichtungen vermittelte sie Grundlagen, Bestandteile und Instrumente des Fundraisings. Ausgehend von Überlegungen zum Paradigmenwechsel der Rolle von Staat und Wirtschaft in der heutigen Gesellschaft stellte sie den Zusammenhang zur Wahrnehmung öffentlicher und freiwilliger Aufgaben her.
 
Dass der Staat sich aus verschiedenen Bereichen, so auch dem der Kultur, zurückzieht, wird häufig beklagt. Der Wirtschaft damit den „schwarzen Peter“ zuzuschieben sei jedoch nicht förderlich für deren Aktivierung und für eine konstruktive gemeinsame Bewältigung anstehender Probleme. Frau Doktor verglich die in Deutschland und Europa herrschenden Einstellungen zum Staat, zum eigenen Vermögen und das Spenderverhalten an sich mit den Gegebenheiten in Amerika, denn auch in Europa werden Staat, Akteure im Non-Profit-Sektor und Geldgeber neue Wege des Zusammenwirkens finden müssen. Klar wurde dabei, dass kulturelle Hintergründe und regionale Unterschiede bei erfolgreicher Akquise berücksichtigt werden müssen. Ausgehend von den Erfahrungen der TeilnehmerInnen machte die Dozentin weiterhin deutlich, dass die Bereitschaft, eine Sache zu unterstützen, maßgeblich vom Wissen darüber und vom Umgang mit dem Spender abhängt.
 
Wie kann ich nun in die tägliche Arbeit meines Kulturbetriebes mehr Fundraising einbeziehen? Die Frage traf einen wunden Punkt vieler Zentren, denn die permanente Schaffung finanzieller Voraussetzungen für die geplanten Vorhaben ist wohl DAS zentrale Thema fast aller kulturellen Einrichtungen. So wurden viele der TeilnehmerInnen angeregt, Struktur, Zuständigkeiten und Abläufe des eigenen Hauses kritisch zu hinterfragen und im Hinblick auf bessere Einbeziehung der Instrumente des Fundraisings zu modifizieren. Klar wurde dabei, dass Fundraising als „Friendraising“ immer auch eng verknüpft ist mit den unterschiedlichen Beziehungen und Kontakten, die eine Kultureinrichtungen zu ihren vielen Partnern - Personen, Institutionen und Organisationen - hat und dass das Fundraising deshalb auch nicht „outgesourct“ werden kann.
 
Ein intensiver Tag voller Input für die eigene Arbeit, geleitet vom ansteckenden Optimismus der Dozentin.
 
Linkliste von Wiebke Doktor zum Thema Fundraising
 
 
LEITUNG des Workshops:
 
Wiebke Doktor, Theaterwissenschaftlerin und Fundraising-Managerin (FA), (www.fundamente.net). Sie hat mehrere Jahre in einem Soziokulturellen
Zentrum gearbeitet und ist seit 2006 selbstständig mit der Agentur
fundamente in Duisburg.
 
 
 

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