Bremen
Es ist angerichtet! Ess-Kunst und Kunst-Essen. Kochlöffel klappern in Töpfen und Pfannen. Alle kochen und naschen fleißig. Allerlei Genüssliches wird lecker aufgetischt!
Das stadtweite Kinderkulturprojekt "Lecker, lecker Götterschmecker! Götterspeise & Suppenkasper. Vom Essen und Gegessenwerden", das Quartier gGmbH in Bremen 2008/2009 veranstaltete, handelte von kulinarischen Genüssen, die von KünstlerInnen und KöchInnen mit Kindern und Jugendlichen in Kochkunst, Performance, Theater, Installation und Malerei umgesetzt wurden.
Essen ist Kulturgut!
Unter dem Motto VOLL KÖSTLICH – ECHT EKLIG! startete der erste Teil des Projektst mit einer kleinen Aktion zum Thema „Essen“: In einigen der beteiligten Stadtteile machten sich jeweils drei bis fünf Kinder und Jugendliche im Alter von ca. 4 bis 15 Jahren als Restaurantkritiker auf den Weg und testeten "under cover" verschiedene Restaurants, Imbisse und Kantinen.
Essen ist Kommunikation - gemeinsam mit anderen, zu verschiedenen Anlässen und in unterschiedlichen kulturellen Kontexten. Mehr als 500 Kinder und Jugendliche aus ca. 25 sozialen und kulturellen Einrichtungen aus dem gesamten Stadtgebiet - aus Kindertagesheimen, Jugendfreizeitheimen, Spiel- und Horthäusern, der Volkshochschule, Schulen in Kooperation mit der Kunsthalle etc. - waren beteiligt. Auch eine Seniorenwerkstatt war bei den kulinarischen Entdeckerreisen dabei.
Das Auge isst immer mit!
In den "Kochateliers" haben die Kinder und Jugendlichen gemeinsam mit KünstlerInnen und KöchInnen nach verschiedenen Themen gekocht. Die "Kochateliers" mündeten in 24 vielseitig gestaltete und köstlich angerichtete "Tafelgesellschaften". Jede Tafel war geprägt von gemeinsamem Essen und angeregter Unterhaltung, vom Austausch von Rezepten und Geschmackserlebnissen - vom Bedienen und Sich-bedienen-lassen, Spiel und Musik, Kosten und Schmecken, Genießen und Staunen über kulinarische Wunderwerke. Der Schirmherr, Bürgermeister Jens Böhrnsen, war ebenso eingeladen wie viele weitere Ehrengäste. Und jede Tafel strafte die Suppenkasper-Geschichte - über Kinder, die sich bei Tisch nicht benehmen können und ihre Suppe nicht essen wollen!
Insgesamt wurden die "Kochateliers" und "Tafelgesellschaften" in neun Stadtteilen in Bremen und Bremerhaven durchgeführt: Ein genussvoller Erfolg mit völlig neuen Erfahrungen für alle Beteiligten: für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, KöchInnen und KünstlerInnen, Laien und Profis, Gäste und Gastgeber!
Andere Länder, andere Sitten – andere Stadtteile, andere Köstlichkeiten!
Einige Beispiele: Eine Tischgesellschaft wie zu Mozarts Zeiten - mit Rumkugeln und selbst gemachter Limonade, Tafelsilber und Damastdecke - lud zum edlen Schmausen ein. Oder: Spinat, Steckrübensuppe, Sülze - meine Suppe ess ich nicht! Das kannten gerade die SeniorInnen. Gibt es Rezepte, die ungeliebten Speisen ganz anders und richtig schmackhaft zuzubereiten? Und: Außerirdische laden zu Tisch. Ein futuristisches Essen, ganz ohne bekannte Esswerkzeuge und Töpfe. Oder: Wie schmeckt das - in welchen Farben und Formen? Molekularküche und Laborkochkunst luden zum Essen ein! Im Schlaraffenland fliegen die gebratenen Tauben bekanntlich direkt in den Mund. Hauptsache auf den bequemen Kissen liegen und alles essen können, was Kind sich so wünscht! Mit Kartoffel und den Apfel beschäftigten sich die AkteurInnen so wie andere mit Fingerfood. Ganze Landschaften aus Gemüse und Paläste aus gefrorenen Blütenblättern - und alles essbar.
In Bremerhaven gab es zur Abwechslung mal keinen Fisch, sondern die "Wucht in Tüten rund um den heißen Brei herum"! Das Kochen wird märchenhaft! Darum: Jeder isst so viel er kann und heute nehmen wir es ganz genau: Ich hab dich eben doch zum Fressen gern!!! Gemeinsam essen macht Spaß!
Künstlerische Werkstätten 2009
Im zweiten Teil des Projektes beschäftigten sich ca. 1.000 Kinder und Jugendliche unter der Anleitung von 40 professionellen KünstlerInnen verschiedener Sparten gestalterisch mit dem Thema Essen, Nahrung und Lebensmittel. In den temporär eingerichteten Werkstätten und Ateliers in Schulen, Kindertagesheimen, Spielhäusern und Kultur- und Jugendeinrichtungen entstanden vielfältige Ergebnisse, die in einer zentralen Abschlussausstellung präsentiert wurden: 'Wenn Götter speisen…' – eine Theaterinszenierung, sprechende Kochtöpfe, Bremer ‚Hamburger’ und vollmundige Literatur, Nudelskulpturen und skurrile Objekte aus Küchenutensilien, ein Topfdeckelkonzert der Gemüse-Combo und eingeweckte Meeresspezialitäten, gemalte Tafelbilder für kulinarische Musen und tierisch gute Torten für Ameise und Elefant, eine Kochshow 'Das kann doch jeder!', begehbare zuckersüsse Raumträume und vieles andere mehr entstanden aus diesem Anlass: zum Sehen und zum Schmecken!
Die große Abschlussausstellung fand im Mai 2009 in einem ehemaligen Postgebäude in Bremen statt, begleitet durch Werkstattangebote, Vorführungen und Aktionen.
Das Kinderkulturprojekt wurde ausgezeichnet mit dem Deutschen Kinderpreis 2008, dem 1.Preis in der Kategorie‚"Kinder bewegen Kultur". Es stand unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters Jens Böhrnsen, Senator für Kultur, und wurde gefördert von folgenden Institutionen gefördert: Senator für Kultur, Senator für Soziales, Kulturamt Seestadt Bremerhaven, Stadtteilbeiräte, WIN-Programm (Wohnen in Nachbarschaften), Fonds Soziokultur, PwC-Stiftung, Lewald Planungsgesellschaft mbH / Hochtief Facility Management, Stadtteilmanagement Hemelingen, Volkshochschule Bremen, KUBA Kulturbüro gGmbH, Sparkasse Bremen, 32. Deutscher Evangelischer Kirchentag Bremen 2009 und vielen anderen Firmen und HelferInnen.
Die vielen Appetit anregenden und inspirierenden Ideen, aber vor allem die Freude der Kinder an dem Projekt, sind samt dem Verlauf und den Ergebnissen zu sehen unter www.goetterspeise-quartier.de