Europäischer Kongress Shortcut Europe 2010 erfolgreich durchgeführt, 8.6.2010

Veranstalter fordern neue Prioritäten im Kulturbereich ein

Vom 3. bis 5. Juni 2010 fand der Europäische Kongress „Shortcut Europe 2010: Kulturelle Strategien und soziale Ausgrenzung“ des Fonds Soziokultur e.V. in Dortmund statt. Mitveranstalter waren die Kulturstiftung des Bundes und die Kulturpolitische Gesellschaft sowie weitere deutsche und europäische Verbände. Über 300 Teilnehmer, 50 davon aus 14 verschiedenen europäischen Ländern, nahmen an dem Kongress teil. Thema waren die Entwicklung der zunehmenden sozialen Spaltung in der Gesellschaft und die Möglichkeiten der Kulturpolitik und der Kulturarbeit, darauf zu reagieren.

Der Fonds Soziokultur e.V., die Kulturpolitische Gesellschaft e.V., der Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen und die Bundesvereinigung der Soziokulturellen Zentren e.V. verabschiedeten anlässlich des Kongresses eine kulturpolitische Erklärung (PDF in der Anlage), in der sie Bund, Länder und Gemeinden aufforderten, auch ihre soziale Verantwortung in der Kulturpolitik wahrzunehmen und Strategien zu entwickeln, um die sozialen Barrieren der Kulturnutzung zu überwinden. Einzelne Beiträge des Kongresseswerden in Kürze auf der Kongresswebsite www.shortcuteurope.eu nachzulesen sein.

Kulturpolitische Erklärung anlässlich des Europäischen Kongresses „Shortcut Europe 2010: Kulturelle Strategien und soziale Ausgrenzung“ vom 3. bis 5. Juni 2010 in Dortmund

Bürgerrecht Kultur verwirklichen

Die demokratischen Gesellschaften in Europa sind durch Prozesse der sozialen und kulturellen Spaltung bedroht. Die Forderung nach gleichen Lebenschancen tritt immer mehr in den Mittelpunkt politischer Auseinandersetzungen über die Verteilungsgerechtigkeit öffentlicher Leistungen. Kulturpolitik muss auf diese Entwicklungen reagieren, denn auch das Bürgerrecht auf kulturelle Teilhabe ist gefährdet.

Wir stellen fest:

Soziale und kulturelle Ausgrenzung gehen Hand in Hand. Noch immer bestimmen Sozialstatus, Einkommen, Elternhaus, Migrationshintergrund und Bildung der Menschen über ihre Möglichkeit, am kulturellen Leben teilzunehmen. Nach wie vor ist die Mehrheit der Bevölkerung vom öffentlich finanzierten Kulturangebot faktisch ausgeschlossen.

Wir erinnern:

Das „Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ 2010 hat auch eine kulturpolitische Dimension. Die Kunst- und Kulturinstitutionen müssen ihre Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft wahrnehmen und kulturelle Chancengleichheit ermöglichen. Dazu gehören kulturelle Bildungsangebote für alle Kinder und Jugendlichen in künstlerisch-pädagogischen Einrichtungen und Projekten. Der interkulturelle Dialog und soziokulturelle Programme sind ebenso unverzichtbar.

Wir appellieren:
Die öffentliche Kulturpolitik muss ihre soziale Verantwortung wahrnehmen. Städte und Gemeinden, Länder und Regionen müssen Strategien entwickeln, um die sozialen Barrieren der Kultureinrichtungen und der Kulturarbeit zu überwinden und mehr Bürgerinnen und Bürger zur aktiven Mitwirkung zu bewegen. Die jahrzehntelangen Erfahrungen der soziokulturellen und kulturpädagogischen Akteure in ganz Europa können dafür genutzt werden. Der Prozess der sozialen und kulturellen Spaltung der Gesellschaft muss überwunden werden. Die Prioritäten bei der öffentlichen Finanzierung von Kunst und Kultur sind deshalb auf ihre soziale Balance hin zu überprüfen. Nur dann wird Kulturpolitik die Zustimmung aller Menschen bekommen und selbst eine gute Zukunft haben!

Dortmund, 5. Juni 2010
Fonds Soziokultur e.V.
Kulturpolitische Gesellschaft e.V.
Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V.
Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen e.V.