13. Juni 2017

Feige, dumm und kreuzgefährlich! - Stellungnahme zum Anschlag auf die Mitgliedseinrichtung Demokratiebahnhof Anklam in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 2017

Pressemitteilung, 13. Juni 2017 (ca. 3.000 Zeichen inkl. Leerzeichen)

In soziokulturellen Zentren reden täglich Tausende Menschen mit offenem Gesicht darüber, was sie von unserer Gesellschaft halten und was sie gern anders hätten. In Regionen mit starken rechtsextremen Strukturen fordert das Rückgrat. Der Demokratiebahnhof Anklam hat sich gegründet, um das Land nicht rechter Gewalt zu überlassen, und engagiert sich als Vernetzungs- und Begegnungsort für die Entwicklung einer lebendigen Zivilgesellschaft. Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden ermutigt, ihre Fähigkeiten im Interesse des Gemeinwohls einzusetzen.

Wer hier bei Nacht und Nebel weiße Farbe an die Fassade und Molotow-Cocktails ins Gebäude wirft, dem fehlen die Fähigkeit und der Mut, von Angesicht zu Angesicht mit Argumenten für seine Ansichten einzutreten.
 
Die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren verurteilt den feigen Anschlag mit aller Entschiedenheit und anerkennt mit großem Respekt die Entschlossenheit der Engagierten des Demokratiebahnhofs Anklam, sich auch von diesem Gewaltakt nicht entmutigen zu lassen, sondern sich jetzt erst recht für ihre Ziele einzusetzen. Dabei stehen wir, die soziokulturellen Zentren und Initiativen bundesweit, die Landesverbände und der Bundesverband, fest an ihrer Seite.
 
Der Demokratiebahnhof Anklam eröffnet in Zeiten der Verunglimpfung von Demokratie und erstarkenden rechtspopulistischen Parteien insbesondere den Jugendlichen mit vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen spannende Möglichkeiten zur Beteiligung und Mitsprache. Mehrgleisig in den Künsten, signalgebend für die Region und mit der Kraft einer Lokomotive wird hier wahre Pionierarbeit geleistet, denn Anklam in Mecklenburg-Vorpommern steht nicht ohne Grund in den Medien für eine „abgehängte“ Gesellschaft und gefestigte rechtsextreme Strukturen.
 
Politische Teilhabe von Jugendlichen war in Anklam nicht nennenswert vorhanden, bis der Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern ein leerstehendes Bahnhofsgebäude nutzte und den Demokratiebahnhof Anklam gründete, dessen Name seitdem Programm ist. Dafür hat die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Monika Grütters, dem Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern im April 2017 den Preis der Bundesinitiative „Kultur öffnet Welten“ verliehen.
 
Die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren vereint unter ihrem Dach 560 soziokulturelle Zentren und Initiativen. Davon haben 41 Prozent politisches Engagement als besonderen Schwerpunkt. Soziokulturelle Zentren sind per se politisch, denn sie sind Orte demokratischer Kultur und gesellschaftlicher Vielfalt. Im Ringen um Demokratie, Menschenwürde und Zukunft sind sie seit jeher auf der Vorreiterposition. Der brutale Angriff auf Menschenleben und Sachwerte zeigt einmal mehr, wie dringend die Aktivisten der Soziokultur gebraucht werden.
 
Die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren fordert Verwaltung und Politik bundesweit auf, die Strukturen der zivilgesellschaftlich organisierten Kulturinitiativen zu stabilisieren, angemessen zu fördern und die Akteure insbesondere in schwierigen Zeiten nachhaltig zu stärken!

Weitere Informationen und Kontakt:
Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V., Ellen Ahbe (GF)
Lehrter Str. 27‐30, 10557 Berlin,
T 030.3 97 44 59-1, ellen.ahbe@soziokultur, www.soziokultur.de