Kulturstaatsministerin Grütters, 12.4.2016

Sonderpreis für kulturelle Projekte mit Geflüchteten – Nominierte stehen fest

Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat die Nominierten für den neuen Sonderpreis für Projekte zur kulturellen Teilhabe geflüchteter Menschen bekannt gegeben. Aus mehr als 150 Vorschlägen hat eine Fachjury zehn Ideen ausgewählt, die Künstler und Kreative aus ganz Deutschland umgesetzt haben.

Kulturstaatsministerin Grütters: „In vielen deutschen Städten und Gemeinden versuchen Künstler und Helfer, mit kulturellen Mitteln das Zusammenleben zwischen Einheimischen und Geflüchteten zu erleichtern. Die fantasievollen Konzepte aus den Bereichen Theater, Musik, Schule und Kunst, die für den neuen Preis eingereicht wurden, haben mich begeistert. Denn ich wünsche mir sehr, dass die Neuankömmlinge von uns allen als kulturelle Bereicherung wahrgenommen werden – und als Chance für die Zukunft Europas. Nur gemeinsam können wir Ängste und Vorbehalte überwinden.“
 
Dies sind die Nominierungen (in alphabetischer Reihenfolge):
 
FLUCHT 2.0 - AN ODYSSEY TO PEACE
Stadtverwaltung Ingelheim (Rheinland-Pfalz) Gemeinsam mit zwei Projektleiterinnen entwickelten sieben junge Männer und Frauen aus Afghanistan, Eritrea, Pakistan und Syrien das Konzept für eine Ausstellung. Gemeinsam wählten sie Handyfotos aus, die auf ihrer Flucht gemacht wurden und druckten diese als großformatige Bilder. Die Ausstellungsmacher, unter ihnen Christen, Muslime und Jesiden, drehten Interviewfilme, in denen sie über ihre teils traumatischen Fluchterfahrungen erzählen. Ein Jahr lang arbeiteten sie an dieser Ausstellung, in der die Besucher in sechs Stationen (Aufbruch, Marsch, Lager, Mittelmeer, Europa, Ankommen) ihre Flucht nachvollziehen können. Lokale Institutionen wurden in die Realisierung der Ausstellung eingebunden, die in Ingelheim innerhalb von vier Wochen rund 3.000 Besucher erreicht hat.
 
BANDA INTERNATIONALE
Banda Comunale GbR & Cellex Stiftung (Sachsen) So klingt der neue „Dresdner Sound of Heimat": Die elfköpfige Brass-Band „Banda Comunale“ erweitert sich um 15 geflüchtete Musiker/innen aus aller Welt zur „Banda Internationale“. Gemeinsam interpretieren sie den Begriff „Heimatmusik“ neu und lassen traditionelle und zeitgenössische Musik aus den Herkunftsländern der Beteiligten zusammenfließen – vom Erzgebirge bis in den Orient. In regelmäßigen Proben entstehen ihre Songs, mit denen sie bei Auftritten in Dresden und Umgebung ihr Publikum begeistern. Eine mitreißende und überzeugende Stimme, die ihre klangvolle Botschaft mit einer CD-Produktion und einen Dokumentarfilm bald auch über Dresden hinaus entfalten wird.
 
BOAT PEOPLE PROJEKT
boat people projekt GbR (Niedersachsen) Fünf Künstlerinnen und Künstler, die aus dem Stadttheaterbetrieb in die Freie Szene gewechselt sind, beschäftigen sich bereits seit 2009 intensiv mit dem Thema Flucht und Migration. Für neue Theaterstücke recherchieren sie in Flüchtlingsunterkünften und fragen gemeinsam mit geflüchteten Menschen etwas über deren Situation zu lernen, begleitet von der Frage, wer zu uns kommt und was wir zu teilen bereit sind. Inzwischen hat sich daraus ein Netzwerk an der Schnittstelle von Kunst und Politik entwickelt. Vor einigen Wochen ist die Initiative direkt in eine Flüchtlingsunterkunft eingezogen. Die Bewohner des Heims verfolgen die Probenarbeit und nehmen an Workshops teil. Entstanden sind inzwischen drei Theaterproduktionen und zwei Filme mit Jugendlichen aus Syrien, Afghanistan, Irak, Eritrea, Somalia und Deutschland.
 
DO IT! KLANG SPIEL RAUM
Hamburger Symphoniker e.V. (Hamburg) „Do it! Klang Spiel Raum“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Hamburger Symphoniker, des Thalia Theaters Hamburg und der Elbinselschule Hamburg-Wilhelmsburg. Begleitet von professionellen Orchester- und Theaterpädagogen, Schullehrkräften und Orchestermitgliedern erarbeiten Kinder der 3. Klasse gemeinsam mit zwei Flüchtlingskinderklassen singend, tanzend und spielend über mehrere Monate auf Grundlage der Musik der Scheherazade von Nikolai Rimski-Korsakov und unter Einbeziehung der kreativen Kinder-Ideen ein neues, nonverbales Theaterstück, welches dreimal mit großem Erfolg vor Eltern, Helfern, Geflüchteten und deren Familien öffentlich aufgeführt wurde. Das Besondere: die bereits integrierten Kinder mit Migrationshintergrund aus den 3. Klassen fungieren spielerisch als Dolmetscher und Integrationshelfer für die Flüchtlingskinder.
 
ZUKUNFTS-KÜNSTE Hajusom e.V. (Hamburg) Bereits seit 1999 eröffnet Hajusom unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten in Hamburg durch künstlerische Arbeit gesellschaftliche Teilhabe. Die Nachwuchsarbeit im Rahmen der ZUKUNFTS-KÜNSTE fußt auf einem generationenübergreifenden Konzept mit mehreren Angeboten für Neueinsteiger. Während des künstlerischen Prozesses werden demokratische, gleichberechtigte Umgangsweisen, aber auch Achtsamkeit als Werte vermittelt und praktiziert. Die Mentoren helfen auch bei Fragen und Problemen des komplexen Alltags. So kann diese „neue Generation“ mit ganzheitlicher Unterstützung für ihre Lebenswege realistische Perspektiven entwickeln. Die Generation der jungen Verantwortlichen übernimmt Verantwortung und ist Vorbild für die Neuen. So wird der „Spirit“ von Hajusom weitergetragen. Die Neueinsteigergruppen gehen ihrerseits gemeinsam in Erstaufnahme-Einrichtungen und Internationale Vorbereitungsklassen, um mit Mini-Workshops neue Interessierte zu gewinnen.
 
KINO ASYL
Medienzentrum München des JFF (Bayern) Nach Workshops und Fortbildungsmaßnahmen gestalteten zehn geflüchtete Jugendliche als Kuratoren ein Festival mit Filmen aus ihren Herkunftsländern. Sie trafen die Filmauswahl, übersetzten und untertitelten sie, gestalteten die Poster, Flyer und Programmhefte und produzierten Trailer. Das Festival macht cineastische Kulturgüter der Länder bekannt, aus denen Menschen nach Deutschland geflohen sind, und vermittelt eine individuelle Sicht auf Fluchtursachen. Das Festival fand im Dezember 2015 in München statt und soll Bestandteil der Festivalszene in Deutschland werden.