Titel Shortcut europe ´06

ENCC-Dokumentation: how to deal with different cultures?
Fachtagung europäischer Kulturzentren zum Umgang mit kultureller Differenz auf regionaler und europäischer Ebene vom 27. bis 29. April 2006 in Berlin

 
[Auszug aus dem Vorwort]

Auf Einladung des European Network of Cultural Centres (ENCC) und der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e. V. diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von Kulturzentren und deren Verbänden aus elf europäischen Staaten und weitere Interessierte vom 27. bis 29. April in Berlin die aktuelle Fragestellung: »How to deal with different cultures?«

Ziel der Tagung war der Austausch praktischer Erfahrungen sowohl beim Umgang mit Migrationsprozessen in der kulturellen Praxis vor Ort als auch beim Umgang mit kultureller Vielfalt und Differenz zwischen den verschiedenen europäischen Nationen und Kulturen, unter Berücksichtigung von soziokulturellen Inhalten, Formen und Methoden.

Angestoßen wurde die Debatte zum einen durch die internationale Kontroverse um die Mohammed-Karikaturen, zum anderen durch den beispiellos schnellen und einmütigen Abstimmungsprozess in der 33. UNESCO-Generalkonferenz, an dessen Ende die Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen am 20. Oktober 2005 verabschiedete wurde. Die Konvention soll sowohl das Recht auf kulturelle Selbstbestimmung des Individuums und sozialer Gruppen als auch den freien Zugang zu und die freie Teilhabe an Kultur für jede und jeden sichern. Um aber kulturelle Verschiedenheit auch als Bereicherung zu erleben, zu akzeptieren und aus der Vielfalt heraus Werte und Formen des gemeinsamen Zusammenlebens zu entwickeln, bedarf es der konkreten eigenen Begegnung mit den jeweils anderen im angstfreien Raum. Möglichst direkte und vielfältige Möglichkeiten der Begegnung und des Austausches zu schaffen – dazu ist kaum jemand besser geeignet als Kulturzentren Europas. Weit über 1000 solcher Einrichtungen in acht Staaten vertritt allein das ENCC, das European Network of Cultural Centres. Brücken zu bauen und selbst Brücke zu sein ist das zentrale Prinzip von Soziokultur – zwischen Sparten und Generationen, zwischen Ressorts und Kulturen, zwischen Stadt und Land, Ost und West, Individuum und Gemeinschaft. Die Soziokulturellen Zentren arbeiten lokal mit den Menschen, die um die Zentren herum und mit ihnen leben, und sie holen die Welt ins Haus. Bei ihnen steht die Begegnung mit internationaler Kunst traditionell im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Diskussionen. Soziokulturelle Zentren sind Labore für ein funktionierendes und alltägliches Miteinander in Europa, sie sind die Staubkörnchen, um die herum sich die Eisblumen bilden – Kristallisationskerne kultureller Vielfalt und interkulturellen Dialogs.

Im Ergebnis bestätigte sich die Ausgangsthese der VeranstalterInnen, dass europäische Kulturzentren den interkulturellen Dialog ermöglichen und die kulturelle Vielfalt fördern, sowohl vor Ort als auch grenzüberschreitend in Europa und darüber hinaus. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung des europäischen Hauses, denn dessen Zukunft ist interkulturell und auch seine Gegenwart ist es bereits. Darüber waren sich die Tagungsteilnehmer einig. Diese Zukunft im Dialog und im künstlerischen Miteinander zu gestalten, das ist eine wesentliche Aufgabe und Leistung der Europäischen Kulturzentren.

Auf der anschließenden Generalversammlung des ENCC wurden die Tagungsergebnisse ausgewertet und in das Arbeitsprogramm integriert, das 2006/7 vor allem auf die ost- und mitteleuropäischen Länder ausgerichtet ist. Denn die Tagung war auch der Auftakt zu einer Reihe von Aktivitäten, deren Durchführung die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren mit dem Europäischen Netzwerk Kultureller Zentren (ENCC) als EU-Projekt plant.

Christiane Ziller
Bundesgeschäftsführerin
Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren

Preis: 5,00 €