aus dem Bundesverband, 11.10.2009

Offene Ausschreibung für soziokulturelle Projekte und Innovationspreis Soziokultur

Kulturelle Strategien und soziale Ausgrenzung
Soziale und kulturelle Ausgrenzung gehen häufig Hand in Hand. Wer arm ist, leistet sich kaum Kultur. Und wer sich Kultur leistet, ist selten arm. Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise wird die Kluft zwischen Arm und Reich weiter wachsen. Für 2010 hat daher die EU das »Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung« ausgerufen.

Im Kampf gegen die zunehmende Spaltung der Gesellschaft ist auch die Kultur gefragt. Sie kann zwar keine Sozialpolitik ersetzen, aber den Blick schärfen für kulturelle Benachteiligungen und Ausschließungen, die in einem demokratischen Gemeinwesen nicht hingenommen werden können. Soziokultur eröffnet Beteiligungschancen; sie animiert zu bürgerschaftlichem Engagement und stärkt die Persönlichkeitsbildung. Sie orientiert sich an der Lebenswirklichkeit der Menschen, bringt gleichermaßen Alt und Jung, MigrantInnen und Einheimische sowie Menschen unterschiedlicher Milieus zusammen. Ihr Anspruch auf Teilhabegerechtigkeit duldet keine soziale Ausgrenzung.
 
Helfen Sie mit, die kulturelle Beteiligung möglichst vieler sozialer Gruppen zu ermöglichen. Formulieren Sie Projektideen, die mit künstlerischen Mitteln soziale Ausgrenzung bekämpfen, neue Zugänge zu Kunst und Kultur öffnen und kulturelles Selbstbewusstsein schaffen. Sei es eine Ausstellung zur Migration im Stadtteil, ein generationenübergreifendes Theaterfestival, eine bäuerliche Kunstperformance oder eine Rockoper mit arbeitslosen Jugendlichen.
 
Die Möglichkeiten der Soziokultur sind vielfältig, weil sie spartenübergreifend agiert. Sie orientiert sich dabei nicht an den Defiziten ihrer AdressatInnen, sondern an deren Fähigkeiten und Begabungen. Entwickeln Sie kulturelle Strategien gegen soziale Ausgrenzung. Zeigen Sie damit, dass der programmatische Anspruch der Soziokultur, nämlich Kultur für alle und von allen zu ermöglichen, nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.
 
Wettbewerb um die besten Projektideen
Zweimal jährlich ruft der Fonds Soziokultur TrägerInnen soziokultureller Projekte dazu auf, sich um Fördermittel zu bewerben. Die 1. Ausschreibung 2010 für Projekte mit Beginn in der 1. Jahreshälfte widmet sich dem Thema »Kulturelle Strategien und soziale Ausgrenzung«.
Vorbehaltlich der Bereitstellung der Haushaltsmittel des Fonds durch die Kulturstiftung des Bundes stehen für die Projektförderungen im ersten Halbjahr 2010 zirka 450.000 Euro zur Verfügung. Ein Teil davon wird an Projekte vergeben, die sich mit diesem Leitthema befassen. Sie sollen helfen, das „Bürgerrecht auf Kultur“ stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken: ob lokal oder regional, ob zielgruppenorientiert oder generationenübergreifend, ob real oder virtuell. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Bearbeitung des Leitthemas kann sich doppelt lohnen. Denn dieses Jahr wird zusätzlich zu den Fördermitteln wieder der Innovationspreis Soziokultur vergeben.
Der andere Teil der Fonds-Mittel wird weiterhin an soziokulturelle Projekte vergeben, die sich zwar nicht ausdrücklich dem Leitthema widmen, aber auch Modellcharakter haben. Sie sollen neue Praxis- und Aktionsformen in der Soziokultur entwickeln und erproben – als Beispiel für andere Akteure und Einrichtungen. Damit regt der Fonds Soziokultur einen bundesweiten Wettbewerb um die besten Projektideen an. Offenheit ist gefragt, Freude am Experimentieren und Gestalten, Neugierde und die Bereitschaft, sich auf unbekanntes Terrain zu begeben. Kulturelle Initiativen, Zentren und Vereine sind aufgerufen, sich zu beteiligen und Anträge für das 1. Halbjahr 2010 zu stellen.
 
Einsendeschluss ist der 1. November 2009. Es gilt das Datum des Poststempels.
Bitte beachten Sie, dass die Projekte nicht vor dem 15. Januar 2010 beginnen dürfen!