Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V., 18.9.2013

"Mein erster Besuch in einem Soziokulturellen Zentrum" - eine südkoreanische Abgeordnete der Unified Progressive Party berichtet

Am 30. Juli 2013 hatte die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. Besuch aus Südkorea: Jayeon Kim, Abgeordnete der Unified Progressive Party, wollte für ihre eigene politische Arbeit mehr über das Konzept von Soziokultur erfahren. Sie will insbesondere eine Alternative für junge KünstlerInnen finden, die in Südkorea meist arbeitslos sind und keine Arbeitsräume haben. Auf dem Programm stand auch eine Führung durch die Kulturfabrik Moabit. Nachfolgend ihr Bericht über den Besuch:

Mein erster Besuch in einem Soziokulturellen Zentrum
 
"Ich habe am 1. 8. 2013 in Berlin ein Mitglied der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren besucht, die Kulturfabrik Moabit. Der Zweck meines Besuchs war das Finden einer Alternative, um die hohe Arbeitslosigkeit der jungen KünstlerInnen und HochschulabsolventInnen zu lösen. In meinem Heimatland Südkorea ist die Arbeitslosigkeit der jungen KünstlerInnen eines der ernsthaften Probleme. In den meisten Fällen können sie keine Arbeitsplätze, Räume für künstlerische Produktionen, Bühnen finden, wo sie ihre Kreativität entfalten können. Als Vertreter dieser jungen Menschen möchte ich ihnen gern Chancen anbieten, ihr künstlerisches Potenzial zu entfalten.
 
Im Laufe der Suche nach möglichen Alternativen, um mein Ziel zu erreichen, habe ich über eine Dissertation das Konzept Soziokultur kennengelernt. Und so habe ich mich entschieden, soziokulturelle Zentren in Berlin zu besuchen.
 
Nicht luxuriös, aber offen und angenehm
 
Zuerst habe ich die Kulturfabrik Moabit und ihr Theater, ihr Kino, ihr Büro, ihr Café besichtigt. Sie sieht zwar nicht luxuriös aus, da sie nicht nach Gewinn strebt, doch die Stimmung darin ist offen und sehr angenehm. Ich hatte das Gefühl, dass in bequemen Räumen Menschen miteinander kommunizieren, dass sie frei und leicht Zugang zu Kultur und Kunst haben können.
 
Basisdemokratie und Vielfalt
 
Mir ist besonders aufgefallen, dass ihr Theater, ihr Kino, ihr Büro, sogar ihr Café von ehrenamtlichen AkteurInnen und Künstler freiwillig und selbstständig betrieben werden. Das hat eine der AkteurInnen des Zentrums das Prinzip Basisdemokratie genannt.
 
Im Gegensatz zu Südkorea
 
Im Vergleich zur Basisdemokratie in den soziokulturellen Zentren werden in meinem Heimatland die meisten kulturellen Veranstaltungen, zum Beispiel die Feste der Stadtteile, von Bezirksämtern organisiert, sogar kommerzialisiert. Daher können Bürger an der Gestaltung solcher Veranstaltungen nicht teilnehmen. Wegen dieser Lage hierzulande hat mich das Prinzip der Basisdemokratie besonders beeindruckt.
 
Im Übrigen ist das Prinzip der Vielfalt auch sehr interessant. Da in Südkorea mehrere Film-Konzerne die meisten Kinos monopolisieren, in solchen Kinos nur sogenannte Blockbuster-Filme vorgeführt werden, steht heutzutage kein Kino mehr für Independent-Filme zur Verfügung. Im Gegensatz zu solcher Lage in Südkorea betreiben Künstler in der Kulturfabrik Moabit das Theater und das Kino selbst, gestalten künstlerische und kulturelle Veranstaltungen selbst. Das war mir sehr attraktiv. Außerdem haben mich ihre zahlreichen, vielfältigen und bunten Programmangebote erstaunt. Besonders gefällt mir, dass sie BesucherInnen nahestehen und die Eintrittspreise ihrer Veranstaltungen niedrig sind, sodass man unabhängig von Alter, sozialer Herkunft leicht Zugang zu ihren kulturellen Veranstaltungen haben kann.
 
Die Kultur ist ähnlich wie Wasser und Luft für den Menschen
 
Was mich abschließend tief beeindruckt hat, war die Aussage einer Akteurin, dass die Kultur ähnlich wie Wasser und Luft für den Menschen sei. Ich bin 100%ig ihrer Meinung! Manche sagen, die Kultur sei in gewisser Weise eine Ware. Aber ich denke, dass die Kultur Medium zur Kommunikation, ein gewisses Mittel ist, um das Leben der Menschen lebendig und kreativ zu machen. Meiner Meinung nach spielen soziokulturelle Zentren in der Gesellschaft eine unabdingbare Rolle, um Bürger mit frischer Luft und frischem Wasser zu versorgen.
 
Nach dem Besuch bin ich in mein Heimatland zurückgekommen. Derzeit besetzen hier einige junge KünstlerInnen eine verlassene Fabrik, um sie als Raum für künstlerische Produktionen zu verwenden. Außerdem gibt es auch einige Versuche, dass KünstlerInnen den Einwohnern in Armenvierteln kulturelle und künstlerische Programme kostenlos anbieten.
 
Allerdings haben wir bedauerlicherweise noch kein festes Modell wie das der soziokulturellen Zentren. Ich möchte gern in Südkorea diese Versuche und Bewegungen entwickeln, um ein neues Modell zu schaffen, das dem der soziokulturellen Zentren in Deutschland gleicht, in dem man sein Potenzial entfalten kann, in dem Menschen durch kulturelle Beteiligung miteinander kommunizieren.
 
Dazu kann mein Besuch in soziokulturellen Zentren in Berlin beitragen. Ich hoffe, dass wir in Kontakt bleiben.
 
Danke den AkteurInnen für ihre Freundlichkeit und Hilfe!"