Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V., 8.7.2013

"soziokultur" 2-2013 zum Thema "Freiräume" erschienen

Soziokultur und Freiraum – seit jeher sind das zwei Seiten einer Medaille. Schon die Gründung der ersten soziokulturellen Zentren in den 1970er-Jahren war eng verbunden mit entstehendem Freiraum aufgrund des Strukturwandels der Industrie. Soziokultur etablierte sich in verlassenen Zechen und Schlachthöfen, Kühlhäusern und Brotfabriken … Dass soziokulturelle Akteure im Laufe der Zeit zu Experten in Sachen Freiraum wurden, zeigt die neueste Ausgabe der „soziokultur“.
 
Freiräume gibt es nicht per se, sie müssen immer wieder aufs Neue ausgehandelt werden, so Corinne Eichner, Geschäftsführerin von STADTKULTUR HAMBURG. Freiraum darf man nicht strukturieren, Freiräume, die zugewiesen werden, sind keine, so die Autorin. Witali Späth kritisiert die Instrumentalisierung kultureller Aktivitäten, wenn damit brach liegende Areale im Hinblick auf ihre bessere Verwertbarkeit symbolisch aufgeladen werden. Er fordert ein prozessuales Verständnis von Raum, um im Werden begriffene Freiräume zu fördern.
 
Kenneth Anders erörtert mit Blick auf den ländlichen Raum (speziell auf das Oderbruch), dass leere Räume an sich noch keine Freiräume sind. Er thematisiert die spezifische Geschichte und die gewachsenen Beziehungsgeflechte jedes „freien“ Raums und beleuchtet aus dieser Perspektive Chancen und Risiken soziokultureller Raumpioniere. Robert Hillmanns fragt, wie sich Freiräume verändern und in welchem Maße sie im institutionalisierten Kulturbetrieb noch erhalten werden können. Gegen das Schwinden städtischer Freiräume und das Sinken öffentlicher Mittel kämpft die Koalition Freie Szene Berlin. Sie verweist auf ihre Bedeutung für die kulturelle Identität der Stadt und fordert eine Beteiligung an der geplanten City-Tax.
 
Auch das europaweite Modellprojekt „SECONDCHANCE“ gestaltet Freiräume in Bezug zu Stadtentwicklungsprozessen. In fünf europäischen Städten verwandelt es ehemalige Industriebrachen in kreative und kulturell geprägte Arbeits- und Lebensräume. Dabei sollen verallgemeinerbare Strategien für die Wiederbelebung derartiger Areale entwickelt werden.
 
In der Auseinandersetzung um Freiraum geht es immer auch um Teilhabegerechtigkeit. Warum unter diesem Aspekt Soziokultur ein Menschenrecht ist und warum der Kampf für Soziokultur ein Kampf für menschenwürdige Verhältnisse ist, erläutert Prof. Max Fuchs, Direktor der Akademie Remscheid und ehemaliger Präsident des Deutschen Kulturrates.
 
Neues erfahren Sie auch aus unserem Verband: Eine Jury hat die Entscheidung über die ersten 30 Projekte der Ausschreibung „Jugend ins Zentrum!“ getroffen. Der Sender Radio Lotte Weimar erhielt eine der begehrten Akkreditierungen zum NSU-Prozess. Das Kulturzentrum E-Werk Erlangen wurde mit dem Erlanger Integrationspreis geehrt. Und das deutsch-dänische Kunstprojekt „ÜbergangOvergang“ schlägt eine Brücke zum südlichsten Eingangstor Skandinaviens.
 
Das und noch mehr lesen Sie in der neuen soziokultur, erhältlich im Shop auf www.soziokultur.de